Auch Bremen steht vor Herausforderungen Kirchen verlieren laut Studie bis 2060 Hälfte ihrer Mitglieder

Die beiden großen Kirchen in Deutschland werden einer Studie zufolge bis zum Jahr 2060 die Hälfte ihrer Mitglieder verlieren. Das stellt auch die Bremische Evangelische Kirche vor Herausforderungen.
02.05.2019, 13:20
Lesedauer: 3 Min
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Von Benjamin Lassiwe

Die beiden großen Kirchen in Deutschland müssen sich bis zum Jahr 2060 auf eine Halbierung ihrer Mitgliederzahlen einstellen. Das ist das Ergebnis einer am Donnerstag veröffentlichten Studie, die das Freiburger Forschungszentrum Generationenverträge (FFG) für die 20 evangelischen Landeskirchen und die 27 katholischen Diözesen in Deutschland erstellt hat. Bereits bis 2035 werden beide großen Kirchen demnach 22 Prozent ihrer Mitglieder verlieren. „Wir dürfen diese Entwicklung nicht schönreden“, sagte das Mitglied im Rat der EKD, der frühere Vorsitzende der Unternehmensleitung der Boehringer Ingelheim AG, Prof. Andreas Barner, als die Studie kürzlich Journalisten vorab präsentiert wurde. „Für die Kirchen ist es fünf vor zwölf.“ Man habe noch Zeit zu handeln, müsse diese aber nutzen.

Für den Mitgliederrückgang nennt die Studie vor allem zwei Gründe: Den Sterbeüberschuss – in den nächsten Jahren werden erheblich mehr Kirchenmitglieder sterben, als Kinder geboren werden oder neue Mitglieder nach Deutschland zuziehen. Bis 2060 werden auf diese Weise 21 Prozent der Kirchenmitglieder verloren gehen. Der größere Mitgliederverlust wird nach Angaben des Leiters des FFG, Prof. Bernd Raffelhüschen, aber auf andere Faktoren zurückgehen: Den Verzicht von Familien auf die Taufe ihrer Kinder oder den Austritt von enttäuschten Mitgliedern. „Das sind Dinge, die beeinflussbar sind“, sagte Raffelhüschen. „Die Kirchen sollten ihre Anstrengungen bei der Suche nach Zusammenhängen, die sie beeinflussen können, intensivieren.“ Schon seit einigen Jahren veranstalten einzelne Kirchenkreise beispielsweise Tauffeste, bei denen ungetaufte Kinder aus Kindertagesstätten gemeinsam getauft werden. Und immer mehr Gemeinden entscheiden sich zu neuen Gottesdienstformen oder für Angebote jenseits der Kirchenmauern, um Menschen zu erreichen.

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Die meisten Menschen treten der Studie zufolge im Alter zwischen 30 und 35 Jahren aus der Kirche aus. Das ist das Alter, in dem bei vielen Menschen die Berufstätigkeit beginnt – und in dem auch das erste Mal die Kirchensteuer anfällt. Für diesen, an die Einkommenssteuer gekoppelten Mitgliedsbeitrag der Kirchen rechnen die Studienautoren aufgrund des parallel ansteigenden Lohnniveaus zwar nicht mit einem nominellen Rückgang, wohl aber mit einem erheblichen Kaufkraftverlust. Wie 2017 werden die Kirchen auch 2060 noch rund 12 Milliarden Euro aus der Kirchensteuer erlösen. Um sich die Dinge leisten zu können, die sie heute mit 12 Milliarden Euro finanzieren, wären dann allerdings rund 25 Milliarden erforderlich. Beide großen Kirchen werden in den kommenden Jahren also erhebliche Sparanstrengungen unternehmen müssen.

Auch die Bremische Evangelische Kirche ist dabei keine Ausnahme. Bis zum Jahr 2060 werden auch ihre Mitgliederzahlen auf etwa die Hälfte des heutigen Umfangs sinken. „Die Bremische Evangelische Kirche beschäftigt sich seit langem und fortlaufend mit ihrer Mitglieder- und Finanzentwicklung, sodass die jetzt von der EKD veröffentlichte Prognose für uns keine Überraschung sind, sondern sich mit unseren eigenen decken“, sagt Johann-Daniel Noltenius, der Leiter der Kirchenkanzlei. „Die Forscher betonen, dass wir zwar den Faktor Bevölkerungsentwicklung nicht beeinflussen können, wohl aber das Tauf-, Austritts- und Eintrittsverhalten der Kirchenmitglieder.“ Die aktuelle Herausforderung laute, auch zukünftig Kontakt zu Jugendlichen und jungen Familien zu halten. Die Taufe, die Konfirmation oder die aktive Mitwirkung an der Gestaltung der Kirche müssten attraktiver werden. Deshalb werde die Bremische Evangelische Kirche im Kontakt mit jungen Familien künftig noch intensiver für die Taufe als „Willkommens-Fest im Leben“ werben, etwa durch Tauffeste. Und es werde wichtiger denn je sein, Jugendliche für die Konfirmation zu begeistern, etwa durch Konfi-Camps und mobile Jugendarbeit.

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