Kommentar über Klimapolitik

Grüne Zukunft

Die EU hat mit ihrer Entscheidung für eine europäische Klimawende vorgelegt. Beim US-Klimagipfel und bei der UN-Klimakonferenz wird es aber nicht nur um Zahlen gehen, meint Korrespondent Detlef Drewes.
23.04.2021, 05:00
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Von Dtlef Drewes
Grüne Zukunft

Windrad versus Braunkohle: Hier fällt die Abwägung noch leicht.

Federico Gambarini/dpa

Die europäische Klimawende steht. Das ist angesichts der gewaltigen Herausforderung eine gute Nachricht, wobei diese grundsätzliche Einigung schwer, aber nur ein Vorspiel für die ei­gentlichen Herausforderungen war, die anstehen. Denn bei der Klimakon­ferenz unter der Leitung von US-Präsident Joe Biden geht es nicht nur um Zahlen, also darum, wer bis 2030 und 2050 die Emissionen um wie viel Prozent reduzieren will. Die Welt­gemeinschaft wird auch verstehen müssen, dass der Umgang mit dem Planeten keineswegs nur ein ökologischer Auftrag ist, sondern eben auch eine Frage der ­Sicherheitspolitik und der Menschenrechte.

Denn die Szenarien der Forscher zeigen, dass der Lebensraum vieler Menschen bedroht ist, darunter etliche Regionen, die eben nicht Hunderte Milliarden für grünes Wachstum oder eine neue Mobilität ausgeben können. So bekommt der Klimaschutz auch eine soziale Komponente. Ein Vorschlag wie eine weltweite CO2-Steuer klingt ja gut – aber er trifft auch die, die gar nicht mitmachen können, weil ihre finanziellen Ressourcen nicht ausreichen. Sie nur abzuhängen, wird zu wenig bleiben. Die Rettung des Planeten bleibt keine Aufgabe, die man delegieren kann.

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Berechnungen der Europäischen Kommission zufolge dürften in den kommenden Jahren rund 250 Milliarden Euro aus ihren Förderprogrammen mobilisiert werden, um klimaneutrale Technologien zu fördern. Private Investitionen von Banken, Fonds und Anlegern kommen dazu. Es ist unverzichtbar, dass nicht nur die EU-Mitgliedstaaten bald Klarheit darüber bekommen, welche Vorhaben grün sind und welche lediglich „Greenwashing“ betreiben. Die Frage, ob Gas oder auch Kernenergie – und sei es nur als Brückentechnologien – eine Rolle spielen können, muss beantwortet werden.

Die EU hat mit ihrem Klimagesetz und dem Kriterienkatalog für grüne Investitionen einiges erreicht, andere Staaten werden bei der Klimakonferenz folgen. Die eigentliche Herkulesaufgabe aber steht erst noch bevor, wenn diese Details geregelt und umgesetzt werden. Denn bis dahin wirken die vereinbarten Maßnahmen nicht.

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