Laut neuer Studie werden in Norddeutschland verheerende Stürme und extreme Regenfälle stark zunehmen

Klimawandel: Niederschläge verdoppeln sich

Extreme Hitze, verheerende Stürme, starke Niederschläge: Eine neue Studie zeigt, dass es auch hierzulande künftig mehr extreme Wetterereignisse geben könnte. Katastrophenschützer mahnen, sich bereits jetzt auf die Folgen des Klimawandels einzustellen.
04.11.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Klimawandel: Niederschläge verdoppeln sich
Von Norbert Holst

Extreme Hitze, verheerende Stürme, starke Niederschläge: Eine neue Studie zeigt, dass es auch hierzulande künftig mehr extreme Wetterereignisse geben könnte. Katastrophenschützer mahnen, sich bereits jetzt auf die Folgen des Klimawandels einzustellen.

Bremen·Berlin. Der verheerende Wirbelsturm "Sandy" hat in den USA eine Spur der Verwüstung hinterlassen, vermutlich annähernd rund 100 Todesopfer gefordert, Tausende Wohnungen zerstört und Milliardenschäden angerichtet. Forscher gehen davon aus, dass auch in Deutschland in den nächsten Jahrzehnten die extremen Wetterlagen zunehmen werden. Eine rasante Zunahme von Unwettern ist zu erwarten, so warnen sie. Die Folgen des Klimawandels werden dann auch in Norddeutschland drastisch zu spüren sein, prognostizieren der Deutsche Wetterdienst (DWD), das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Umweltbundesamt, Technisches Hilfswerk und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung in einer gemeinsam in Berlin vorgestellten Studie.

In den küstennahen Gebieten Norddeutschlands müssen die Bewohner laut der Studie vor allem im Winter mit deutlich mehr Starkniederschlägen rechnen. Bis zum Jahr 2100 könnte sich die Zahl der extremen Niederschläge – bei denen mehr als 15 Liter pro Quadratmeter in 24 Stunden fallen – verdoppeln. Das haben die Forscher im Vergleich zum Zeitraum 1961 bis 2000 ermittelt. DWD-Vizepräsident Paul Becker skizziert die möglichen Folgen: "Wir müssen mit deutlich mehr Schäden durch Überschwemmungen rechnen, wenn wir uns nicht rechtzeitig vorbereiten."

In ganz Deutschland werden laut der Studie die Winterstürme zunehmen. Ein Monsterorkan wie Kyrill, der im Januar 2007 mit bis zu 200 Stundenkilometern übers Land fegte, könnte in Zukunft alle fünf Jahre auftreten – bislang treten solch gewaltige Stürme hierzulande rechnerisch nur alle 25 Jahre auf. Trotz der erwarteten Zunahme von extremen Stürmen erwarten die Autoren der Studie beim Wind aber "insgesamt wohl die geringsten Änderungen".

Anders sieht das für die Temperaturen aus. Nach Angaben der Fachleute werden die Sommer in Deutschland künftig erheblich wärmer. Langfristig werde die Durchschnittstemperatur um zwei bis vier Grad ansteigen. Ein Großteil der Erwärmung wird sich voraussichtlich nach dem Jahr 2050 vollziehen. Temporäre Extremanstiege in den Sommermonaten werden auch für Norddeutschland erwartet, besonders heftig werden sie aber laut Forschungsbericht in Süddeutschland ausfallen. In Mannheim beispielsweise wird das Thermometer um 2100 herum vier Mal im Jahr auf annähernd 40 Grad steigen – heute passiert das im statistischen Mittel nur alle 25 Jahre. Auch der Temperaturanstieg wird Folgen haben. "Höhere Durchschnittstemperaturen werden für mehr und intensivere Wetterextreme sorgen. Dabei wird die Anzahl der besonders extremen und gefährlichen Wetterphänomene zunehmen", sagt Becker.

Bei der Vorstellung der Studie betonen die Vertreter der beteiligten Institute und Organisationen: "Wir sind keine Klima-Alarmisten, wir stellen hier Forschungsergebnisse vor." Aus diesen sollten nun die richtigen Schlüsse gezogen werden. So fordert BBK-Präsident Christoph Unger einen zügigen und flächendeckenden Ausbau des Katastrophen-Warnsystems in Deutschland. Auch sollten die Bürger stärker in den Katastrophenschutz einbezogen werden: "Man kann nicht erwarten, dass die Feuerwehr immer sofort vor Ort ist." Außerdem müssten sich die Kommunen stärker auf wetterbedingte Notfälle vorbereiten, bei denen es auch zu größeren Evakuierungsmaßnahmen kommen könnte.

Nach Meinung der Behördenvertreter ist es wichtig, sich frühzeitig dem Klimawandel anzupassen. Kora Kristof, Abteilungsleiterin im Umweltbundesamt, nennt Beispiele: "Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel rechnen sich schon heute. Dach und Hofbegrünungen, der Einbau von Beschattungselementen an Gebäuden oder die Verwendung hitzeresistenter Straßenbeläge sind Beispiele zum Schutz vor Klimarisiken. Je eher sie umgesetzt werden, desto größer ist ihr Nutzen. Das Umweltbundesamt empfiehlt daher zum Beispiel die finanzielle Förderung von Gründächern in Städten."

Auch der Katastrophenschutz will sich für die erwarteten Unwetter wappnen. Ende 2015 ist eine große Sturmflut-Übung in Norddeutschland geplant. Dabei soll vor allem die Zusammenarbeit von Bundesbehörden, der Bundeswehr, den Ländern sowie den Kommunen und den Nachbarstaaten auf die Probe gestellt werden. Im Rückblick auf das Elbe-Hochwasser von 2002 seien erhebliche Defizite etwa beim Austausch von Informationen festgestellt worden, erklärt Unger. In Sachsen etwa seien Hunderte Feuerwehrautos aus Bayern aufgefahren – aber dort überhaupt nicht gebraucht worden.

Klimawandel: Niederschläge verdoppeln sich

Laut neuer Studie werden in Norddeutschland verheerende Stürme und extreme Regenfälle stark zunehmen

Zitat:

"Wir müssen mit

deutlich mehr

Schäden rechnen."

Paul Becker, Deutscher Wetterdienst

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+