Eltern-Kind-Zentrum: Kapazität des Neubaus umstritten / Ärzte schreiben Brandbrief

Klinikgröße bereitet Sorgen

Bremen. Platz da? Ist die Kinderklinik, die derzeit am städtischen Klinikum Mitte an der St.-Jürgen-Straße gebaut wird, schon zu klein, wenn sie 2018 eröffnet wird? Diese Sorge ist zu einem Thema im Krankenhaus geworden und prägt unter anderem einen Brief, den Ärzte der Dachgesellschaft Gesundheit Nord (Geno) an die Unternehmensleitung und den Senat geschrieben haben.
19.03.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Klinikgröße bereitet Sorgen
Von Wigbert Gerling
Klinikgröße bereitet Sorgen

Die Einweihung des Eltern-Kind-Zentrums an der St.-Jürgen-Straße ist für 2018 geplant – aber unter anderem Kinderärzte haben die Befürchtung, es sei zu klein geplant worden. GRAFIK: GENO

Gesundheit Nord

Platz da? Ist die Kinderklinik, die derzeit am städtischen Klinikum Mitte an der St.-Jürgen-Straße gebaut wird, schon zu klein, wenn sie 2018 eröffnet wird? Diese Sorge ist zu einem Thema im Krankenhaus geworden und prägt unter anderem einen Brief, den Ärzte der Dachgesellschaft Gesundheit Nord (Geno) an die Unternehmensleitung und den Senat geschrieben haben. Computer-Simulationen, mit denen die medizinischen Abläufe in der künftigen Kinderklinik dargestellt werden, sollen in Kürze zeigen, ob diese Sorge berechtigt ist. Für den CDU-Abgeordneten Rainer Bensch „sieht alles danach aus, dass man mehr Platz braucht“.

Für rund 300 Millionen Euro wird derzeit das kommunale Klinikum Mitte zu großen Teilen neu gebaut. Zu dem Vorhaben gehört ein Eltern-Kind-Zentrum: ein Kinderkrankenhaus, das auf dem Gelände an der St.-Jürgen-Straße gebaut wird und die Prof.-Hess-Klinik an der Friedrich-Karl-Straße ablösen soll. Die Gesundheit Nord, zu hundert Prozent in bremischem Besitz, hat seit mehreren Jahren mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Zusammenschluss der vier Krankenhäuser in Bremen-Ost, Mitte, Links der Weser und Nord beschäftigt insgesamt rund 7500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und macht einen Jahresumsatz von gut einer halben Milliarde Euro.

Das medizinische Konzept, das die Unternehmensleitung der Gesundheit Nord unter anderem zur Straffung der Abläufe im gesamten Verbund erarbeitet hat, sieht auch vor, dass die Behandlung von Kindern an den städtischen Krankenhäusern Mitte und Links der Weser künftig am Standort St.-Jürgen-Straße zusammengeführt wird. Die ärztliche Versorgung beispielsweise von Frühchen und herzkranken Kindern bleibt zwar demnach südlich der Weser, aber ansonsten wird die Behandlung von Kindern am Klinikum-Mitte konzentriert. In beiden Häusern zusammen stehen dafür im Moment etwa 140 Betten zur Verfügung – für den Neubau sind bisher 125 eingeplant.

Die Planung aber ist inzwischen mehrere Jahre alt und, so die Kritiker, womöglich nicht mehr zeitgemäß und zukunftssicher. Die Zahl der Einwohner wächst, entsprechend erwartet man auch mehr Patienten. Zugleich aber werden auch bei den Kindern die Kranken viel öfter als früher medizinisch ambulant versorgt, damit sie anschließend nicht im Krankenbett, sondern zu Hause übernachten können.

Vor diesem Hintergrund wurden für das Eltern-Kind-Zentrum, das sich mit seinen drei Stockwerken unmittelbar an den sogenannten Teilersatzbau anschließen wird, eine große Ambulanz und auch eine Tagesklinik eingeplant. Gleichwohl befürchten Kinderärzte des Krankenhauses, dass der Platz im Neubau sehr knapp werden oder nicht ausreichen könnte, und haben diese Einschätzung in einem Schreiben an die Gesundheit Nord und die Landesregierung dokumentiert.

Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) betonte am Freitag, sie werde sich ernsthaft mit den Hinweisen der Ärzte auseinandersetzen. „Wir haben ein Interesse an einer hohen Qualität in der Kinderheilkunde“, sagte sie.

Auch bei der Klinik-Dachgesellschaft Gesundheit Nord hieß es, die Befürchtungen der Mediziner stießen auf große Beachtung und würden genau geprüft. Arbeitsgruppen begleiteten laufend den Neubau. Die Geno lege großen Wert auf eine optimale Versorgung der Bevölkerung. Dies sei der Maßstab. „Fachleute werden in Kürze anhand der Simulationen die Abläufe im neuen Eltern-Kind-Zentrum untersuchen“, erklärte Karen Matiszick, Sprecherin der Geno.

Reichen nach der Einweihung des neuen Eltern-Kind-Zentrums die geplanten 125 Betten statt der heutigen 140 aus? Kann eine solche Verringerung womöglich unter anderem mit besseren Betriebsabläufen ausgeglichen werden? Geno-Sprecherin Matiszick verwies darauf, dass es sich bei der geplanten Kombination der Kinderheilkunde von Links der Weser und Klinikum-Mitte nicht nur um eine räumliche Zusammenfassung handele. Vielmehr sei es das Ziel, die beiden bisherigen Kliniken am künftigen Standort an der St.-Jürgen-Straße eng zu verzahnen und daraus eine neue organisatorische Einheit zu machen. Deshalb sei noch nicht ganz klar, welche Bettenzahl am Ende die richtige ist. „Wir gehen davon aus, dass die Planung passt, gucken aber unter anderem auch genau hin, wie die Abläufe sein werden und zu welchen Ergebnissen die Fachleute mit den Simulationen kommen.“

Die christdemokratische Opposition in der Bürgerschaft sieht bereits eine Tendenz: „Man kann fast schon davon ausgehen, dass die Bettenzahl nicht reichen wird“, erklärte am Freitag der Gesundheitsexperte der Fraktion, Rainer Bensch. In der Deputation der Bürgerschaft sei bereits angeklungen, dass der Platz im künftigen Eltern-Kind-Zentrum wohl „zu knapp kalkuliert“ sei. Falls sich herausstelle, dass die neue Klinik so, wie sie jetzt geplant worden sei, zu klein ausfalle, sei mit zusätzlichen Kosten für eine Erweiterung zu rechnen. Nicht ausgeschlossen, so Bensch, dass am Ende die Klinik oder der Teilersatzneubau aufgestockt werden müsste.

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