Senatorin weist SPD-Vorwürfe zurück Koalitionskrach zum Kindeswohl

Bremen. „Vollkommen unhaltbar“, „wenig bis gar nicht von Sachkenntnis geprägt“, „ausgesprochen irritierend“– mit deutlichen Worten und scharfen persönlichen Attacken hat Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) die Vorwürfe von Klaus Möhle (SPD) gegen das Jugendamt zurückgewiesen.
20.04.2014, 00:00
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Koalitionskrach zum Kindeswohl
Von Ralf Michel

„Vollkommen unhaltbar“, „wenig bis gar nicht von Sachkenntnis geprägt“, „ausgesprochen irritierend“ – mit deutlichen Worten und scharfen persönlichen Attacken hat Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) die Vorwürfe von Klaus Möhle (SPD) gegen das Jugendamt zurückgewiesen.

Möhle, Bürgerschaftsabgeordneter und sozialpolitischer Sprecher der Sozialdemokraten, hatte gestern in einem Interview in dieser Zeitung harsche Kritik am System des Kinderschutzes in Bremen geäußert: Es gebe Defizite bei der Ausbildung und zu wenig erfahrene Mitarbeiter im Jugendamt. Zudem müsse beim Thema Kindesschutz und Kindeswohl mehr vom Kind her gedacht werden, so Möhle. Er habe den Eindruck, dass das Elternrecht zu hoch gehalten werde. Und dass zu lange alles Mögliche ausprobiert werde.

Mit seinen Pauschalisierungen werde Möhle den Lebensverhältnissen in den Familien und den Unterstützungsbemühungen des Jugendamtes nicht im Ansatz gerecht, kontert Senatorin Stahmann in einer Pressemitteilung. Möhle täte gut daran, seine Erfahrungen zu hinterfragen und sich mit den Mitarbeitern der Behörde zusammenzusetzen. „Vielleicht hilft ihm das, eine wirklichkeitsnahere Vorstellung von der Ernsthaftigkeit der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in den Familien zu entwickeln.“

Im Spannungsfeld zwischen Kindeswohl und Elternrecht sei das vorderste Ziel der Jugendämter die Sicherung des Kindeswohls. Die Herausnahme eines Kindes aus seiner Familie stelle einen massiven Eingriff in die elementaren Bindungen des Kindes dar und dürfe nur das letzte Mittel sein, betont Anja Stahmann. Fachlich falsch sei im Übrigen der Eindruck, das Jugendamt entscheide, ob das Kind aus der Familie genommen werde. Die Entscheidung liege beim Familiengericht.

Der Vergleich mit den bundesweit größten Großstadtjugendämtern zeige, dass keine Stadt so viele Unterstützungsleistungen für Familien gewähre wie Bremen. Und keine Stadt bringe so viele Kinder in Heimen und bei Pflegefamilien unter wie Bremen.

Auch bei der Frage der Ausbildung widerspricht die Senatorin. Es gebe andauernde Fortbildungsangebote, fest verankerte Fallbesprechungen mit erfahrenen Kollegen sowie die Einbindung von Vorgesetzten. Dadurch seien viele Schwächen des Systems behoben worden.

Möhle hatte in dem Interview genau dies in Abrede gestellt: „Wir brauchen ein funktionierendes Fehlermanagement und keine Rechtfertigungskultur nach dem Motto: Wir machen alles richtig.“

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