Kommentar über Finanzbetrug

Skandale ohne Ende

Kriminelle schleusen unfassbar hohe Summen durch das globale Finanzsystem. Ermöglicht wird dies durch die Nachlässigkeiten von Banken und Behörden im Kampf gegen Geldwäsche, meint Dietrich Eickmeier.
04.10.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Dietrich Eickmeier
Skandale ohne Ende

Symbolisch: Wolken ziehen über der Zentrale der Deutschen Bank im Frankfurter Bankenviertel hinweg. Ein Datenleck aus den USA hat Schwächen bei der Geldwäsche-Bekämpfung aufgedeckt.

Arne Dedert /dpa

Reich werden könne jeder, versprach Ruja Ignatova, Juristin aus dem Schwarzwald. Millionen Menschen investierten in ihre digitale Währung Onecoin und verloren an die fünf Milliarden Euro. Denn die virtuelle Währung der Krypto-Queen, die seit drei Jahren spurlos verschwunden ist, war eine Betrugsmasche.

Ähnlich der Mega-Betrug beim deutschen Finanzdienstleister Wirecard, möglich gemacht durch Gesetzeslücken, aber auch durch das Versagen privater Wirtschaftsprüfer sowie bayerischer Behörden und des Bundesamtes für Finanzwesen. Die hat jetzt wenigstens, wenn auch spät, vor der merkwürdigen Insolvenz des auf Rezeptabrechnungen spezialisierten Finanzdienstleisters AVP Alarm geschlagen. Durch ihn sind Klinikapotheken sowie private Apotheken und Sanitätshäuser um hohe Summen geschädigt worden. Und eine Razzia Kölner Staatsanwälte vor wenigen Wochen bei der Privatbank Varengold und beim Bankhaus Hauck & Aufhäuser deutet darauf hin, dass die kriminellen Steuerraub-Praktiken der sogenannten Cum-Ex-Geschäfte noch nicht der Vergangenheit angehören.

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Es sind unfassbare Summen, die Kriminelle durch das globale Finanzsystem schleusen. Allein der Fall der dänischen Danske Bank hat gezeigt, dass sie technisch in der Lage sind, Hunderte Milliarden aus dunklen Kanälen ins Finanzsystem zu schleusen, wo sich dann die Spur verliert. Laut Fin-CEN-Files, ein Datenleck aus dem US-Finanzministerium, transferierten internationale Großbanken von 2000 bis 2017 zwei Billionen Dollar, obwohl sie den Verdacht hegten, dass es sich um schmutziges Geld aus Organisierter Kriminalität sowie von korrupten Oligarchen und Diktatoren handelte. Mit dabei als Versager bei der Bekämpfung der Geldwäsche ist die Commerzbank – und die Deutsche Bank, die seit Jahren Skandal an Skandal reiht.

Die Banken, auch die einst so stolze Deutsche, haben Besserung versprochen bei der Prüfung großer Finanztransaktionen. Das ist auch ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit. Nur wenn Banken rechtzeitig – und nicht wie bisher oft erst nach Jahren – einen Verdacht melden, können Behörden ermitteln. Aber nur, wenn die staatliche Finanzaufsicht technisch wie personell gut ausgestattet ist, kann Geldwäschern und betrügerischen Finanzinstituten wirklich das Handwerk gelegt werden. Da ist noch jede Menge Luft nach oben.

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