Kommentar über Corona-Folgen in den USA

Ohne Abschluss

In den USA geraten Colleges in finanzielle Nöte: Wegen der Pandemie schreiben sich Studenten nicht ein oder verlangen Nachlass. Das zeigt, dass sich das US-Bildungssystem verändern muss, meint Thomas Spang.
04.05.2020, 05:00
Lesedauer: 1 Min
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Ohne Abschluss
Von Thomas Spang
Ohne Abschluss

Das Gebäude der renommierten Harvard-Universität in Boston im US-Bundesstaat Massachusetts (undatiertes Archivbild).

Rolf Haid / dpa

Höhere Bildung in den USA plagt dasselbe Problem wie die öffentliche Gesundheit. Der Zugang bleibt vielen Durchschnittsverdienern verschlossen, da die Mehrzahl der rund 4500 Colleges als private Unternehmen mit Bildung Geld verdienen. Staatliche Hochschulen sind über Jahre ausgehungert worden. Das zwang sie dazu, die Gebühren anzuheben. Seit 1978 sind die Kosten für den Uni-Besuch um 1375 Prozent gestiegen. Rund 100.000 Dollar für ein vierjähriges Bachelor-Studium an einer staatlichen Hochschule konnte schon vor Corona kaum jemand aufbringen. Kein Wunder, dass die Kosten der wichtigste Grund für die Abbruchraten von rund 40 Prozent sind. Rund 36 Millionen Amerikaner haben „ein wenig College” im Lebenslauf stehen, aber keinen Abschluss. Dafür einen Haufen Schulden und geringe Einkommen.

Die Pandemie bedroht dieses Geschäftsmodell, weil die Studenten sich entweder nicht einschreiben oder Abschläge verlangen. College-Pleiten und noch weniger Abschlüsse sind die unvermeidbare Folge. Es wird in den USA höchste Zeit, Gesundheit und Bildung nicht als Privileg, sondern als Teil der öffentlichen Infrastruktur zu betrachten.

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