Kommentar zu Wahlen in Syrien

Gewissenlos

In Syrien steht die Wahl zum Volksrat an. Doch die Wahl ist eine Farce, das Ergebnis wird ein Pseudo-Parlament sein, meint unsere Korrespondentin Birgit Svensson.
20.07.2020, 05:00
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Gewissenlos
Von Birgit Svensson
Gewissenlos
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Es gibt Menschen, die scheinen einfach kein Gewissen zu haben. Einer von ihnen ist der syrische Machthaber Bashar al-Assad. Wie kann jemand wie er nachts ruhig schlafen, ohne dass ihn die vielen toten Landsleute, die Kinder, die er mit Chemiewaffen vergiftet, die Städte, die er durch Bombardements in Trümmern gelegt hat, plagen? Vielleicht nimmt er Valium, wer weiß?

Aber auch tagsüber müsste das Blut, das seit gut neun Jahren an seinen Fingern klebt, ihn unendlich quälen. Doch er lächelt in die Kameras, wenn er auftritt, beschimpft alle als Terroristen, die gegen ihn sind und geht seinen Alltagsgeschäften nach, als sei in seinem Land nichts geschehen. Dem nicht genug: Jetzt lässt er auch noch wählen, ein Pseudo-Parlament, das aus reinen Claqueuren bestehen und nur dazu da sein wird, die Macht seines Clans zu festigen. Koste es, was es wolle.

Wie kann es sein, dass einer, der seine Ausbildung in Europa – in diesem Falle in England – absolviert hat, in London als Arzt gearbeitet hat, die universellen Menschenrechte derart mit Füßen tritt? Bashar al-Assad ist leider kein Einzelfall. Da läuft irgendetwas grundlegend schief.

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