Kommentar über Hartz IV Der Hartz-IV-Satz muss der Realität angepasst werden

Hartz IV reicht gerade einmal für das alltägliche Leben. Wenn Empfänger dann auch noch aufgefordert werden zu sparen, ist das weltfremd, kommentiert Stefan Lakeband.
28.09.2020, 08:00
Lesedauer: 1 Min
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Der Hartz-IV-Satz muss der Realität angepasst werden
Von Stefan Lakeband

Der Einkauf im Supermarkt, die Fahrt mit der Straßenbahn, der Stromverbrauch – alles wird teurer. Kein Wunder also, dass Gewerkschaften zu Streiks aufrufen und von den Arbeitgebern mehr Geld für die Beschäftigten fordern. Denn nur so können sie ihren Lebensstandard beibehalten. Nur: Hartz-IV-Empfänger haben keine Gewerkschaft; ihre Lobby ist klein. Dabei ist es ganz egal, ob man arbeitet oder nicht, die Inflation trifft alle. Zwar wird der Hartz-IV-Satz regelmäßig angepasst, die Praxis aber zeigt: Das reicht längst nicht. Denn die monatlich vorgesehenen 150 Euro für Lebensmittel, 38 Euro für Wohnen und Energie oder gerade einmal 1,12 Euro für Bildungsausgabe sind viel zu wenig.

Dass sich Hartz-IV-Empfänger bei größeren Anschaffungen Geld leihen müssen, ist daher kein Wunder – und gleichermaßen absurd. Wenn das Geld vom Amt gerade reicht, um über die Runden zu kommen, wie soll da etwas zurückgezahlt, wie soll – wie es das Jobcenter vorschlägt – für Notfälle gespart werden? Es wird von denen genommen, die ohnehin kaum etwas haben. Prekäre Verhältnisse verschlechtern sich so weiter, Menschen, die permanent unter Geldsorgen leiden, werden zusätzlich belastet. Es ist an der Zeit, den Hartz-IV-Satz an die Realität anzupassen. Im Gegensatz zu Darlehen, die das Problem nur vertagen, wäre das eine echte Hilfe.

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