Kommentar über die Bundeswehr und Corona

Der korrekte Dresscode in der Krise

In Berlin tobt ein irrer Streit um das Outfit von Bundeswehrangehörigen, die Hilfsdienste in der Corona-Krise leisten. Linke Politiker stellen dabei Gesinnung über Gesundheit, meint Joerg Helge Wagner.
08.11.2020, 05:00
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Der korrekte Dresscode in der Krise
Von Joerg Helge Wagner
Der korrekte Dresscode in der Krise

Eva Högl (SPD), Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, unterhält sich bei einem Besuch im temporären Corona-Behandlungszentrum auf dem Berliner Messegelände. Dort helfen 70 Soldaten bei der Rückverfolgung von Infektionsketten. Im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg waren Helfer der Bundeswehr zunächst nicht willkommen.

Christoph Soeder /dpa

Quasi im Windschatten von US-Wahl und Islamisten-Terror wurde bei Twitter jüngst viel über den Begriff „Uniform“ diskutiert. Geht es um die einheitliche Bekleidung an Schulen? Gibt es einen neuen letzten Modeschrei aus Paris? Nein, der Anlass ist weit bizarrer: In Berlins etwas anderem Stadtteil Friedrichshain-Kreuzberg plagt man sich damit, dass die Bundeswehr in der tiefsten Corona-Krise ihre Hilfe angedient hat.

Was Menschen von Delmenhorst bis Garmisch-Partenkirchen erfreuen würde, bereitet in der rot-grün-rot regierten Hipster-Hauptstadt echte Seelenpein. Nach vielen Bedenken rang man sich vor einer Woche immerhin durch, nun doch auf medizinisches Personal der Bundeswehr zurückzugreifen. Allerdings beruht dies nicht auf später Einsicht der linksalternativ dominierten Bezirksverordnetenversammlung, sondern auf einer Entscheidung des Krisenstabes des Bezirksamtes. Denn die Infektionszahlen sind hier mit die höchsten aller Berliner Bezirke, man kommt bei der Kontaktnachverfolgung ohne Hilfe schlicht nicht mehr hinterher.

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Thema durch also? Nicht, wenn man es mit ideologisch gestählten Hauptstadt-Linken zu tun hat. Im Bezirk Mitte, wo bereits 95 Bundeswehrangehörige Infizierten und deren Kontaktpersonen hinterhertelefonieren, macht Linken-Fraktionschef Sven Diedrich gegen deren Uniformen mobil: Die trügen die Soldaten ja auch, „wenn die Bundeswehr in anderen Ländern merkwürdige Dinge tut“. Dass die Bundeswehr ohne Zustimmung des Bundestages in anderen Ländern gar nichts tut, scheint ihm nicht geläufig zu sein. Ebenso wenig, dass Uniformen schlicht die Berufskleidung von Soldaten sind, überall auf der Welt.

Und hier kommen die grünen Büchsenspanner der Linken ins Spiel: Menschen mit Kriegserfahrungen könnte der Anblick von Uniformen Angst machen, sorgt man sich auf Twitter. Allerdings leisten die Soldatinnen und Soldaten in Berlin ihren Telefondienst nicht auf offener Straße und mit entsichertem Sturmgewehr im Anschlag. Aber auch das spielt keine Rolle, wenn es um Gesinnung statt Gesundheit geht. Oder um den korrekten Dresscode in der Krise.

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