AfD vermeidet auf Nominierungsparteitag inhaltliche Diskussionen Konflikte über Europa-Politik vertagt

Aschaffenburg. So stark ist die Position von Bernd Lucke in der Alternative für Deutschland, dass vereinzelter Widerstand gegen den Parteichef allenfalls zu ahnen ist. Keiner der 300 Delegierten wollte ihm gestern in Aschaffenburg offen widersprechen, inhaltliche Diskussionen blieben weitgehend aus, waren auch gar nicht vorgesehen.
26.01.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von THOMAS LANIGUND SEBASTIAN KUNIGKEIT

So stark ist die Position von Bernd Lucke in der Alternative für Deutschland, dass vereinzelter Widerstand gegen den Parteichef allenfalls zu ahnen ist. Keiner der 300 Delegierten wollte ihm gestern in Aschaffenburg offen widersprechen, inhaltliche Diskussionen blieben weitgehend aus, waren auch gar nicht vorgesehen. Es ging um die Kandidaten für das Europaparlament, und es wurde gewählt und gewählt und gewählt. Alles lief glatt für Lucke. Er ist die Nummer eins, nun auch auf der AfD-Liste zur Europawahl.

Auffällig, dass Lucke den Austritt aus dem Euro gar nicht erwähnte, wohl aber bei aller Kritik an Brüssel immer wieder betonte: „Deutschland ist Teil der EU und soll es bleiben“. Gemäßigte Töne. Natürlich ging es bei der Vorstellung der Kandidaten dann doch nicht ohne populistische Sprüche: Etwa: „Hast du einen Opa, schick ihn nach Europa“ über das deutsche Spitzenpersonal in Brüssel. Oder: „Zuwanderung hört da auf, wo die Identität einer Nation gefährdet wird“. Und überhaupt: Wer mehr Steuern zahle, müsse auch mehr Stimmgewicht haben.

Noch einer war wichtig in Aschaffenburg: Bescheiden in der sechsten Reihe saß zunächst Hans-Olaf Henkel, der frühere Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Doch als Lucke das neue Parteimitglied Henkel begrüßte, da riss es die AfDler von den Sitzen. Mancher hatte vor dem Parteitag vermutet, es könnte Streit geben zwischen Lucke und Henkel um Platz eins auf der Liste zur Europawahl, aber die Absprache war längst getroffen. Henkel bekommt Platz zwei.

Unter den Parteimitgliedern war die Erleichterung spürbar, dass die AfD sich nicht wieder in Grabenkämpfe verstrickte wie in einigen Landesverbänden. Beim Warten auf Bockwurst und Brezeln tauschten sie sich aus über die zahlreichen innerparteilichen Kämpfe: „Bei uns war wenigstens der Vorstand einer Meinung,“ sagte einer. Drinnen im Saal wurde gewählt und gewählt. Streit um Europa kann es erst wieder auf dem Programmparteitag Ende März in Erfurt geben.

Begonnen hatte der Tag für die AfD mit Putzen. In der Nacht hatten Gegner die Fassade der Frankenstolz-Arena mit Farbbeuteln beworfen und Parolen hinterlassen: „AfD raus“. Am Nachmittag liefen rund 100 Demonstranten auf, zeigten der AfD den Vogel (in Form einer Stoffpuppe) und schwenkten Banner mit harten Vorwürfen: „Euer Rassismus kotzt uns an.“

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