Vorschlag von CDU-Politikern

Kontroverse Diskussion über längere Winterferien wegen Corona

Mit ihrem Vorschlag, die Weihnachtsferien wegen der Corona-Pandemie zu verlängern und dafür die Sommerferien zu kürzen, haben zwei CDU-Bundestagsabgeordnete eine lebhafte Diskussion ausgelöst.
13.10.2020, 12:43
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Kontroverse Diskussion über längere Winterferien wegen Corona

Der Hamburger CDU-Chef Christoph Ploß würde gern die Winterferien um zwei bis drei Wochen verlängern und die Ferien im Sommer entsprechend kürzen.

Jan Woitas / dpa

Debatten über die Schulferien sind immer ein Aufreger. Das war schon oft der Fall, wenn es darum ging, welches Bundesland wann in die Sommerferien startet. Wegen der Corona-Pandemie gibt es nun einen neuen Vorschlag von zwei CDU-Bundestagsabgeordneten. Sie regen an, die Weihnachts- und Winterferien zu verlängern und dafür die Sommerferien 2021 zu kürzen. Lehrer-, Schüler- und Ländervertreter sowie Parteikollegen wiesen die Idee zurück. Der Bundeselternrat zeigte sich dagegen offen dafür.

Worum es geht:

Der Hamburger CDU-Chef Christoph Ploß sagte der „Bild“-Zeitung: „Wir sollten darüber nachdenken, die Winterferien um zwei bis drei Wochen zu verlängern und im Sommer entsprechend zu kürzen.“ Ziel müsse sein, bestmöglich durch die Pandemie zu kommen. Sein Fraktionskollege im Bundestag, Stephan Pilsinger (CSU), regte sogar bis zu vier Wochen längere Weihnachtsferien mit entsprechender Kürzung der Oster- und Sommerferien an. „Das Wohl der Schüler und Lehrer muss im Vordergrund stehen“, begründete er seinen Vorschlag. Hintergrund ist die Debatte über kalte Klassenzimmer, weil wegen des Coronavirus in kurzen Abständen gelüftet werden soll.

Warum der Vorschlag auf Ablehnung stößt:

Ziemlich deutlich fielen die Reaktionen bei Parteikollegen und Ländervertretern aus: „Nee“, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in München. Es sei jetzt nicht die Zeit, über Ferienverlängerungen zu reden und damit mit „zusätzlichen Dingen“ für Verunsicherung zu sorgen. Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sagte: „Auch Ende Januar ist der Winter ja noch nicht vorbei, deshalb ist das ein wenig zu kurz gedacht.“ Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) kritisierte, öffentliche Schulferiendebatten seien überflüssig wie ein Kropf.

Warum auch viele Betroffene abwinken:

Auch im Bildungsbereich winken die meisten ab: Der Vorsitzende des Grundschulverbandes, Edgar Bohn, nannte die Idee mit den verlängerten Ferien im Winter „wenig zielführend“. Es lasse sich nicht abschätzen, wie sich die Pandemie entwickele, sagte er der dpa. „Wir könnten also vor dem Problem stehen, dass wir auch im Frühjahr noch hohe Infektionszahlen haben und damit auch die Osterferien nicht verkürzt werden könnten.“ Der Verband warnte zudem mit Blick auf benachteiligte Kinder davor, dass diese dadurch wieder über längere Zeit keinen Kontakt zur Schule hätten.

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Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, man sollte die Zeit nutzen, in der Präsenzunterricht mit vollen Klassen noch möglich sei. „Niemand weiß, ob und wann ein neuer Lockdown kommt beziehungsweise eine neuerliche Phase des Wechselbetriebs“, sagte er. Der Sprecher der Bundesschülerkonferenz, Torben Krauß, sieht das ähnlich: „Es ist wichtig, dass wir Präsenzunterricht haben. Wir haben in den letzten Wochen gesehen, dass es schwierig ist, online unterrichtet zu werden“, sagte er der dpa.

Auch Politiker aus Bund und Ländern und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonen nach den Schulschließungen und dem Schichtbetrieb vor dem Sommer immer wieder, dass die Offenhaltung von Kitas und Schulen nun oberste Priorität habe. Die Zwangspause im Frühjahr und der anschließende Notbetrieb mit Unterricht und Betreuung in Schichten hatten die Nerven von Millionen Familien, Erziehern und Lehrkräften strapaziert und viel Frust ausgelöst. Bildungsexperten befürchten zudem negative Nachwirkungen, vor allem bei Kindern aus ärmeren Familien.

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Warum der Bundeselternrat für den Vorschlag offen ist:

Offen für den Vorstoß, die Winterferien zu verlängern, zeigte sich allerdings der Vorsitzende des Bundeselternrats, Stephan Wassmuth: „Ich würde momentan selten Vorschläge von der Hand weisen.“ Es seien besondere Zeiten: „Es gibt momentan keine verrückten Vorschläge“, sagte er der dpa. Die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) will sich nach Angaben einer Sprecherin der KMK-Vorsitzenden und rheinland-pfälzischen Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) bei ihren Beratungen am Freitag mit dem Thema befassen. Hubig selbst lehnt den Vorschlag aber auch ab.

Ganz neu ist die Idee einer Ferienverlängerung nicht. Schon im August hatten namhafte Virologen, darunter Christian Drosten, Jonas Schmidt-Chanasit und Helmholtz-Forscherin Melanie Brinkmann in einer Stellungnahme geschrieben: „Sollte es gegen Jahresende zu einem kritischen Anstieg der Neuinfektionen mit regelmäßiger Beteiligung von Bildungseinrichtungen kommen, sollte eine Ausdehnung der Weihnachtsferien diskutiert werden, um die Zeiten mit höchster Infektionsaktivität zu verringern.“ (dpa)

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