Kryptowährungen

China verschenkt Millionen in digitalen Yuan

Die chinesische Zentralbank bringt die neue Währung mit ganz praktischen Mitteln unters Volk: den digitalen Yuan. Die Kryptowährung hat bereits Eingang in den Alltag gefunden.
08.03.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Finn Mayer-Kuckuk
China verschenkt Millionen in digitalen Yuan

Pilotprogramm: In einigen U-Bahn-Stationen in Schanghai wurde Zahlung von E-Yuan an Verkaufsautomaten eingerichtet.

Alex Plavevski/Shutterstock

Er ist Teil der Technik-Revolution, mit der Präsident Xi Jinping sein Land endgültig vom Westen unabhängig machen will: Der digitale Yuan wird in China bereits Alltag. Zum chinesischen Neujahrsfest am 12. Februar brachte die Regierung die neue Variante der Währung kräftig unters Volk: In Peking hat sie 50.000 zufällig ausgewählten Bürgern einen virtuellen Geschenkumschlag mit je 200 Yuan (25 Euro) in die entsprechende Handy-App ausgeteilt.

Für die neue Form von Geld gibt es inzwischen landesweit 10.000 Akzeptanzstellen. Kinos und Kleidungsketten machen ebenso mit wie der große Online-Händler JD.com. Das Experiment in Peking ist das dritte dieser Art nach Geldverteilungen in den Städten Suzhou und Shenzhen. In allen Fällen haben praktisch alle der Beschenkten ihre Guthaben innerhalb der Gültigkeitsdauer der Gutscheine abgerufen und größtenteils auch ausgegeben.

Während die EZB noch herumplant und die europäische Öffentlichkeit noch diskutiert, ist China bei der Digitalvariante der eigenen Währung bereits in die Praxis eingestiegen. Für die Regierung ist es Teil eines ganz großen Plans, die Blockchain-Technik zum maximalen Vorteil des Landes zu nutzen. Im 14. Fünfjahresplan, dessen Eckpunkte am Freitag auf dem Nationalen Volkskongress vorgestellt wurden, ist unter anderen die Einführung von „Krypto-Handels-Pilot­zonen“ vorgesehen.

China kehrt damit den Grundgedanken von Bitcoin ins komplette Gegenteil. Das digitale Geld sollte die Zahlungsmittel von der Macht des Staates und den Zentralbanken unabhängig machen. Die Bitcoiner der ersten Stunden waren anarchische Freigeister. Nun kommt das mächtigste Regime auf dem Planeten und vereinnahmt die Idee für seine eigenen Zwecke.

Digitales Bezahlen mit dem herkömmlichen Yuan ist in China schon Alltag. Kaum jemand trägt noch Bargeld mit sich herum, die Menschen halten nur Handy oder Smartwatch an die Lesestationen – selbst Straßenmusiker und Bettler erhalten ihre Spenden per App. Die Betreiber sind aber Privatfirmen. Ein wenig hat der kommunistische Staat damit an Einfluss an den Privatsektor verloren. Mit dem volldigitalen Yuan holt sich die Partei die Kontrolle über das Bezahlen zurück.

Es war dabei von Anfang an klar, dass es sich beim Digital-Yuan nicht um eine dezentrale, von Bürgern gestützte Krypto-Währung wie Bitcoin handeln soll. Die Verantwortlichen haben sich daher letztlich auch gegen eine Blockchain-Lösung entschieden und stattdessen eine sichere Datenspeicherung auf Zentralbank-Servern eingerichtet. China will mit dem neuen Angebot vor allem das Bargeld ersetzen. Dahinter könnte der Gedanke stehen, die letzten Lücken in der ohnehin schon gründlichen Überwachung der Bürger zu schließen.

Die Abschaffung von physischem Geld ließe sich in China offiziell gut rechtfertigen: Große Summen Bargeld fließen trotz aller Digitalisierung weiterhin – und zwar vor allem für korrupte Geschäfte. In der Wand eines hochrangigen Generals fanden Ermittler beispielsweise Kartons mit rund 12 Millionen Euro in Scheinen eingemauert – beschriftet mit den Namen der Soldaten, denen der General dafür eine Beförderung verschafft hat.

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