Lebensversicherungen: Niedrigzinsen machen Unternehmen Probleme / Einige wollen weniger Gewinn auszahlen

Kunden bangen ums Geld

Die anhaltende Niedrigzinsphase bringt immer mehr Lebensversicherer in Bedrängnis. Einige von ihnen sollen nun bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) beantragt haben, die Regeln zur Gewinnbeteiligung ihrer Kunden aussetzen zu dürfen.
28.08.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Kunden bangen ums Geld
Von Maren Beneke

Die anhaltende Niedrigzinsphase bringt immer mehr Lebensversicherer in Bedrängnis. Einige von ihnen sollen nun bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) beantragt haben, die Regeln zur Gewinnbeteiligung ihrer Kunden aussetzen zu dürfen.

UND FALK ZIELKE

Wer eine Lebensversicherung abschließt, erhofft sich eine satte Rendite. Über Jahre hinweg lockten Versicherer potenzielle Kunden mit Garantiezinsen von bis zu vier Prozent. Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Die anhaltende Niedrigzinsphase drückt die Kapitalerträge der Lebensversicherer. Dadurch wird es für sie immer schwieriger, ihre Zinsversprechen einzuhalten. Mehrere Institute planen nun offenbar, ihren Kunden vorübergehend weniger Geld gutzuschreiben. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, haben sich mehrere Lebensversicherer mit der Bitte an die Finanzaufsicht Bafin gewandt, die Vorschriften zur Beteiligung der Kunden an ihren Gewinnen auszusetzen.

Konkret geht es also nicht um die gesetzlich festgeschriebenen Zinsgarantien. Stattdessen wollen die betroffenen Versicherer die sogenannte Mindestzuführungsverordnung außer Kraft setzen. Diese regelt, wie hoch die Beteiligung der Versicherungsnehmer am Rohüberschuss eines Lebensversicherers ist. In späteren Jahren müssen die Institute das Geld demnach aber nachträglich in die Gewinntöpfe einzahlen.

„Für Kunden bedeutet das im Zweifel, dass sie weniger Geld ausgezahlt bekommen“, sagt Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg. Es gebe zwar eine Verordnung darüber, wie die Unternehmen die Kunden an den Gewinnen beteiligen müssten. „Wird diese Verordnung aber geändert, müssen Verbraucher das akzeptieren.“ Etwas anders sieht dies der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. In einer Stellungnahme erklärt er, dass die Versicherten die anteiligen Gewinne, die ihnen die betroffenen Versicherungsunternehmen nun nicht gutschreiben könnten, zu einem späteren Zeitpunkt erhielten.

Thomas Mai von der Verbraucherzentrale Bremen hebt unterdessen hervor, dass es sich bei den Versicherern, die sich an die Bafin gewandt haben, um Einzelfälle handele. „Vielen Versicherungen geht es gut“, sagt er. „Zurzeit kann man noch nicht davon sprechen, dass die Lebensversicherungsbranche absäuft, die Verbraucher müssen sich keine Sorgen machen.“ Bliebe das Zinsniveau allerdings fünf bis sechs weitere Jahre so niedrig, könnte es für einige Unternehmen „absolut bedrohlich“ werden.

Diese Ansicht teilt Martina Metzger, Geschäftsführerin des Berliner Instituts für Finanzmarktforschung. Um Insolvenzen kleinerer Unternehmen zu vermeiden, könne die Bafin überlegen, diese unter das Dach eines größeren Versicherers zu nehmen. Welche Versicherungen genau sich an die Bafin gewandt haben, darüber macht die Bundesanstalt keine Angaben. Eine Sprecherin: „Wir können nicht bestätigen, dass es mehr als zehn Unternehmen sind.“

Derweil sehen sich deutsche Versicherungsunternehmen schon lange nach möglichen Alternativen zur Kapitallebensversicherung um. „Die Niedrigzinsphase tut den Lebensversicherern weh“, sagt Klaus Heiermann von der Arag. Er erwartet etwa, dass sich die Laufzeiten verkürzten oder ganz neue Produkte auf den Markt kämen.

Auch im Bundestag sind die Probleme der Lebensversicherer bekannt. Diese müssten verstärkt Vorsorge betreiben, um Zinsgarantien auch künftig bedienen zu können, heißt es in dem Bericht des Finanzausschusses. „Ausschüttungen nach Kassenlage müssen ein Ende haben“, sagt der Bremer Abgeordnete Carsten Sieling (SPD). Bereits 2012 wurde der Garantiezins für Lebensversicherungen gesenkt: von 2,25 Prozent 2011 auf 1,75 Prozent.

Laut Thomas Mai von der Bremer Verbraucherzentrale könnte dieser in Zukunft noch weiter fallen. Daher rät er Verbrauchern derzeit davon ab, eine Kapitallebensversicherung abzuschließen. Sie sollten ihr Geld stattdessen lieber flexibel in Bankspar- oder Fondssparprodukten anlegen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+