Kommentar über die Katastrophe in Beirut

Der Libanon blutet aus

Wenn die Schockwelle ob der vielen Toten und Verletzten abebbt, beginnt das Aufräumen. Gut möglich, dass dann die libanesische Regierung vom Zorn der Menschen hinweggefegt wird, meint Birgit Svensson.
06.08.2020, 05:00
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Der Libanon blutet aus
Von Birgit Svensson
Der Libanon blutet aus

Die Menschen in Beirut stehen unter Schock. Manche glauben nicht, dass es sich bei beiden Explosionen um einen Unfall gehandelt haben soll.

Marwan Naamani /dpa

Eine Katastrophe jagt die andere. Der Libanon kann, nein muss einem leidtun. Lange Zeit hatte der kleine Levante-Staat dem Terror von Al Kaida und IS trotzen können. Doch die damals heilbringende Balance der Bürger des Viel-Völker- und Viel-Religionen-Staates ist aus den Fugen geraten.

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Der Libanon blutet aus. Die Wirtschaft liegt am Boden, die Wut auf die Politik wächst. Dass es sich bei beiden Explosionen um ein Depot mit Ammoniumnitrat gehandelt haben soll, glauben daher viele nicht. Wenn die Schockwelle abebbt, beginnt das Aufräumen. Gut möglich, dass dann nicht nur die Glasscherben aufgekehrt werden. Die Regierung, ohne Rückhalt in der Bevölkerung, könnte jetzt vom Zorn der Menschen hinweggefegt werden.

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