London Litwinenko-Mord: Untersuchungsbericht belastet Putin

London. Präsident Wladimir Putin höchstpersönlich habe den Auftrag gegeben, ihn zu ermorden, sagte der Kreml-Gegner Alexander Litwinenko auf seinem Sterbebett. Nun, mehr als neun Jahre später, nennt ein britischer Untersuchungsbericht denselben Namen.
22.01.2016, 00:00
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Litwinenko-Mord: Untersuchungsbericht belastet Putin
Von Katrin Pribyl

Präsident Wladimir Putin höchstpersönlich habe den Auftrag gegeben, ihn zu ermorden, sagte der Kreml-Gegner Alexander Litwinenko auf seinem Sterbebett. Nun, mehr als neun Jahre später, nennt ein britischer Untersuchungsbericht denselben Namen. Die Tötung des Kreml-Kritikers Litwinenko sei „wahrscheinlich“ nicht nur von Nikolai Patruschew, dem damaligen Chef des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, gebilligt worden. Sondern auch vom mächtigsten Mann Russlands: Präsident Putin. Das gab am Donnerstag Richter Sir Robert Owen, der Leiter der Untersuchung, bekannt.

Diese hat zwar keine direkten strafrechtlichen Konsequenzen, aber die Ergebnisse bergen reichlich politischen Sprengstoff. Die Briten belasten immerhin die höchsten Kreise der Führung in Moskau, wo die Vorwürfe als „politisch motiviert“ sowie als „widersprüchlich und verbrecherisch“ zurückgewiesen wurden. Downing Street bezeichnete die Ergebnisse als „extrem verstörend“. Ein solches Verhalten könne „kein Staat und schon gar kein Mitglied des UN-Sicherheitsrats an den Tag legen“, ließ eine Sprecherin von Premier David Cameron verlautbaren. Das Außenministerium in London bestellte den russischen Botschafter ein. Innenministerin Theresa May sagte, der Mord sei ein „eklatanter und inakzeptabler Bruch mit den grundlegendsten Prinzipien des internationalen Rechts und zivilisiertem Verhalten“.

Die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen dem Königreich und Russland werden weiter belastet – und das zu einem äußerst schlechten Zeitpunkt. Ohne die Hilfe Putins wird ein Ende des Syrien-Kriegs kaum möglich sein, gaben Beobachter zu bedenken. Doch die mutmaßliche Verstrickung der russischen Regierung in einen Anschlag in der Londoner Innenstadt ist diplomatisch mehr als heikel.

Marina Litwinenko, die Witwe des Ermordeten, hatte jahrelang für eine öffentliche Untersuchung gekämpft und war bis vor das höchste britische Gericht gezogen. Im Juli 2014, acht Jahre nach dem Mord, gab May dann bekannt, dass der aufsehenerregende Fall neu aufgerollt werde.

Es war ein Spionage-Thriller in Echtzeit, der die Welt wochenlang in Atem gehalten hatte. Ein ehemaliger russischer KGB-Agent, der 2000 nach Großbritannien geflohen war, traf sich am 1. November 2006 mit zwei Landsleuten und trank eine Tasse grünen Tee. Kurz darauf litt er unter einer rätselhaften Krankheit, kam in eine Klinik, die Ärzte versuchten die Ursache für seinen täglich schlechter werdenden Zustand herauszufinden. Erst spät, zu spät, fanden sie heraus, dass Litwinenko mit radioaktivem Polonium 210 vergiftet wurde. Der 43-Jährige selbst, der ab 2003 für den britischen Auslandsgeheimdienst MI6 gearbeitet hatte, war sich dagegen von Anfang an sicher, dass er einem Giftanschlag zum Opfer gefallen war. Das Bild von Alexander Litwinenko, abgemagert, haarlos und umgeben von zahlreichen Schläuchen, ging um die Welt. Kurz darauf starb er.

Hat wirklich Moskau seinen Kritiker töten lassen? Der am Donnerstag veröffentlichte Untersuchungsbericht deutet das an. Einen Hinweis, heißt es, gebe das eingesetzte Polonium: Da die teure Substanz aus einem Atomreaktor stamme, liege der Schluss nahe, dass sie im Namen einer staatlichen Instanz „und nicht einer kriminellen Organisation“ verabreicht wurde.

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