Kommentar über die Brexit-Gespräche

London pocht auf eigene Spielregeln

Brüssel fällt es schwer, das britische Selbstbewusstsein zu akzeptieren, weil es letztlich der ideologische Unterbau für den nächsten Schritt ist: das Rosinenpicken, schreibt Detlef Drewes.
06.03.2020, 08:55
Lesedauer: 1 Min
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London pocht auf eigene Spielregeln
Von Detlef Drewes

Vielleicht waren es wieder einmal die Anzeichen einer gewissen europäischen Überheblichkeit, die in der Bilanz nach der ersten Verhandlungsrunde zwischen der EU und Brüssel durchschimmerten. Michel Barnier steht für die 27 Staats- und Regierungschefs, die von London zumindest die Akzeptanz, wenn nicht sogar die Unterwerfung unter die europäischen Regeln verlangen. Dagegen setzt der Chef der britischen Delegation, David Frost, so etwas wie ein inzwischen gewachsenes Selbstbewusstsein des Vereinigten Königreiches. Es gipfelt in dem Credo, es müsse auch Länder geben, die geografisch zu Europa gehören, aber unabhängige Staaten sein können, wenn sie das wollen.

London pocht auf eigene Spielregeln und wird deshalb ganz sicherlich nicht einen Vertrag akzeptieren, der Großbritannien auf die eine oder andere Weise dazu zwingt, die Vorgaben der EU anzuerkennen. Brüssel fällt es schwer, diese Argumentation nachzuvollziehen, weil sie einerseits richtig scheint, aber letztlich eben doch der ideologische Unterbau für den nächsten Schritt sein würde: das Rosinenpicken. Genau das aber schwebt London vor, wie die Beratungen in dieser Woche zeigen.

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