Gastkommentar über Medienkompetenz

Es geht nicht ohne Faktencheck und Quellenprüfung

Wer Lügen nicht erkennen kann und vermeintlichen Informationen dubioser Medienkanäle Glauben schenkt, ist anfällig für Verschwörungstheorien. Umso wichtiger ist Medienkompetenz, meint Gastautor Jörg Huthmann.
24.01.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Jörg Huthmann

Was hat Medienkompetenz mit dem Sturm auf das US-Kapitol zu tun? Es war die bisher deutlichste Konsequenz der massiven Streuung von Lügen. Social-Media-Kanäle und die lawinenartige Verbreitung falscher Behauptungen und Verschwörungstheorien haben die Veränderung politischer Realität durch verfälschte Medieninhalte ermöglicht.

Die „alternativen Fakten“ und daraus gebaute Echokammern sind verführerisch, weil sie meist einfache Wahrheiten und simple Denkschemata enthalten: Wir sind die Guten, Andersdenkende sind nicht etwa ein Beitrag zur Meinungsvielfalt, sondern müssen bekämpft werden. Lügen sind legitim, Waffengewalt im Zweifel auch, Demokratie ist etwas für Schwächlinge.

Welche Rolle spielen in diesem Szenario jüngere Menschen, die ihre gesamte Kommunikation per Handy und diversen Social-Media-Kanälen vollziehen? Die „Digital Natives“, also die Generationen, die mit Digitalisierung und Vernetzung aufwachsen, belächeln zwar gern die Unfähigkeit Älterer, ein Smartphone oder Tablet zu bedienen, darüber, wie sie selbst manipuliert werden und wie sie „Fake News“ von echten Nachrichten unterscheiden, wissen sie meist wenig. Fingerfertigkeit am Smartphone und perfekte Nutzung aller Möglichkeiten diverser Apps hat nichts mit demokratischer Grundbildung zu tun.

Lehrerinnen und Lehrern auch noch dieses Thema in die Curricula der politischen Bildung zu diktieren, zusammen mit dem Ruf nach Vermittlung von IT-Grundlagen und wirtschaftlichem Basiswissen, wäre schlicht eine Überforderung. Aber Menschen in Schulen zu schicken, die von Berufs wegen Fakten checken, Quellen prüfen und mit ihrer Arbeit eine demokratische Meinungsbildung erst ermöglichen, zum Beispiel Journalistinnen und Journalisten, ist etwas, dass in vielen Bundesländern schon praktiziert wird. Auch der Bremische Landesverband des Deutschen Journalistenverbands beteiligt sich, zusammen mit anderen Gruppen und Initiativen, an dieser Art politischer Bildung.

Mehr Unterstützung für diese Initiativen – viele sind zu finden im Medienkompetenz-Netzwerk der Bremischen Landesmedienanstalt – ist geboten. Meinungsmanipulation und Aufstachelung zur Gewalt sind massive Bedrohungen unserer Demokratie. Sie ersetzen eine friedliche Streitkultur durch Dämonisierung des politischen Gegners. Auch in Berlin stand der Mob schon auf den Stufen des Reichstags. Diese Entwicklung muss umgekehrt werden. Medienkompetenz, vermittelt in jungen Jahren, ist ein Baustein.

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Zur Person

Unser Gastautor

ist Medienwissenschaftler, Kommunikationsberater, freier Journalist und Vorstandsmitglied im Deutschen Journalisten-Verband (DJV), ­Landesverband Bremen.

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