4000 Zeichen Mehr Respekt für Homosexuelle in der Bundeswehr

Berlin. Bunt ist das Bundeswehrkreuz, orange-rot-grün-blau, regenbogenbogenfarben also, die Symbolfarben von Lesben und Schwulen. Und davor steht die Verteidigungsministerin und sagt: „Ob Sie schwul, lesbisch, transsexuell oder heterosexuell sind, Sie sind uns herzlich willkommen.
01.02.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Mehr Respekt für Homosexuelle in der Bundeswehr
Von Daniela Vates

Berlin. Bunt ist das Bundeswehrkreuz, orange-rot-grün-blau, regenbogenbogenfarben also, die Symbolfarben von Lesben und Schwulen. Und davor steht die Verteidigungsministerin und sagt: „Ob Sie schwul, lesbisch, transsexuell oder heterosexuell sind, Sie sind uns herzlich willkommen.“ Ursula von der Leyen ist die erste Oberbefehlshaberin der Bundeswehr, die einen solchen Satz sagt. Es ist das Jahr 2017, und offenkundig sieht sie für den Satz Bedarf. Vor ihr sitzt die Führungsriege der Bundeswehr, angeführt von Generalinspekteur Volker Wieker.

„Schäbige Witze, herabwürdigende Bemerkungen, widerwärtiges Verhalten“ hat sie in der Truppe festgestellt beim Umgang mit Homosexuellen. Und sie nennt Beispiele: Der Fallschirmjäger, der seine sexuelle Orientierung aus Angst vor Spott verheimliche. Der Vorgesetzte, der bei Gesprächen mit einem Soldaten nach dessen Outing immer die Tür offen lasse. Der Uniformträger, der einer lesbischen Soldatin vorhält: „In ihrer Lebenssituation können sich Kinder nicht vernünftig entwickeln.“ Das Soldatengesetz schreibe Respekt vor dem anderen vor, sagt von der Leyen, aber dennoch sei es zu häufig so, dass Homosexuelle in der Bundeswehr ihr Leben verleugnen müssten oder sich unter besonderer Beobachtung fühlten. „Wer sich nicht outen kann, unterdrückt Gefühle“, sagt von der Leyen. Es entstehe Angst. „Unter Angst kann man nicht sein Bestes geben. Das können und wollen wir uns nicht leisten.“

Sie nennt andere Länder als Beispiel: Schweden etwa, wo auf Plakaten mit der Regenbogenfahne für die Truppe geworben werde. Großbritannien, wo die Marine, die Navy, in den Top Ten der homosexuellen-freundlichen Unternehmen gelandet ist. Und auch die USA hat von der Leyen noch auf der Liste für positive Beispiele. Dort habe bis 2011 in der Armee gegolten „Don’t ask, don’t tell.“ (Frag nicht, sag nichts).

In der Bundeswehr war Homosexualität lange ein offizielles Karrierehindernis. Bis etwa 1980 werden Homosexuelle „aus gesundheitlichen Gründen“ aus der Armee entlassen. Bis 1982 ist die sexuelle Orientierung ein Grund, die Aufnahme in die Bundeswehr zu verweigern. Der Vier-Sterne-General Günther Kießling verliert 1984 wegen Gerüchten um seine angebliche Homosexualität vorübergehend seinen Posten, weil er als Sicherheitsrisiko gilt. In einem Rundschreiben des Verteidigungsministeriums aus dem selben Jahr heißt es, Homosexualität sei „ein gesondert zu prüfendes Eignungskriterium“. Auch wenn entsprechende Vorschriften mittlerweile abgeschafft sind, befürchten viele offenbar weiter Nachteile.

Marcus Otto, Vorsitzender des Vereins „Arbeitskreis Homosexueller Angehöriger der Bundeswehr“, hat in der Bundeswehr jahrelang nicht darüber gesprochen, dass er schwul ist – weil er Sprüche der Kameraden nicht einschätzen konnte. „Du weißt ja nicht, ob das ernst gemeint ist oder nur Machogehabe.“ Der Kommentar eines Rekruten zu seinem schwulen Ausbilder etwa: „So etwas hätte man in Russland erschossen.“ Bis zu einem selbstverständlichen und respektvollen Umgang sei es noch ein weiter Weg, sagt von der Leyen. Deswegen sitzen ihre Führungsleute am Dienstag bei einem eintätigen Workshop mit dem Titel „Sexuelle Orientierung und Identität in der Bundeswehr“.

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