Außenpolitischer Berater Christoph Heusgen geht nach New York Merkel verliert ihren Schatten

Berlin. Es gibt Situationen, die der außenpolitische Berater nun wirklich nicht lustig findet.
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Merkel verliert ihren Schatten
Von Daniela Vates

Berlin. Es gibt Situationen, die der außenpolitische Berater nun wirklich nicht lustig findet. Wenn zum Beispiel sein Lieblingsverein Bayern München im Fußball verliert, kann Christoph Heusgen äußerst missgelaunt dreinschauen. 2012 ist das so gewesen, beim Champions-League-Finale gegen den britischen FC Chelsea. Heusgen sah das Match beim G 8-Gipfel im amerikanischen Camp David gemeinsam mit den Staats- und Regierungschefs. Internationale Konflikte, Ölreserven und Eurokrise waren einfach mal ausgeknipst für ein paar Minuten.

Sehr häufig passiert das nicht für Heusgen. Die Kanzlerin ist in ihrer Amtszeit immer mehr zur Außenpolitikerin geworden, zur einflussreichen Konfliktmanagerin. Entsprechend wuchs das Gewicht von Heusgen, der sie von Beginn ihrer Regierungszeit im Jahr 2005 an berät. Merkel hatte den Wirtschaftswissenschaftler, der einst Außenminister Klaus Kinkel (FDP) zuarbeitete, aus der EU abgeworben, wo er Stabschef des damaligen Hohen Repräsentanten für Außenpolitik, Javier Solana, war. Merkel übernahm bald den Titel Krisenkanzlerin – Euro, Griechenland, Ukraine, Syrien, Israel. Der heute 61-jährige Heusgen war sozusagen der Schattenkrisenkanzler, der die schwierigen Treffen vorbereitete – europäisch versiert, diskret, ruhig, mit freundlichem Auftreten.

Im kommenden Jahr wird der Schatten Merkel verlassen, pünktlich zur Bundestagswahl und unabhängig von deren Ausgang. Heusgen übernimmt im September den Posten des Ständigen Vertreters Deutschlands bei den Vereinten Nationen. Merkel hätte also einen ihrer wichtigsten Zuarbeiter nicht mehr in der Nähe, wenn sie erneut gewählt würde. Für Heusgen ist es wohl die letzte Karrierestation und ein Traumjob, selbst in einer USA mit einem Präsidenten Donald Trump.

Dessen Wahl hat er mit offensiver Gelassenheit kommentiert. „Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“ Ganz so locker hat man die Wahl in der Regierung nicht genommen. Verunsichert war man dort, auch weil Trump und seine Leute für die Regierung so ungewöhnlich lange nicht ansprechbar waren. Erst diese Woche, ein paar Wochen vor der Vereidigung Trumps, hat sein Team mal Zeit gefunden. Heusgen ist also schnell noch mal in die USA geflogen, um zumindest mal ein Gefühl dafür zu bekommen, was hinter Trumps markigen Ankündigungen steckt.

Gibt es bereits einen außenpolitischen Kurs der künftigen Regierung, sind weitere drastische Entscheidungen absehbar? Unterstützen die USA künftig weiter die Sanktionen gegen Russland? Wie weit zieht sich das Land aus der Nato zurück? Was passiert in ­Syrien? Kurz: Wie gefährlich ist Donald Trump, der Mann, der künftig mit einem Wink Atomraketen durch die Welt schicken kann?

Ob Heusgen zu Trump je so einen Zugang findet wie zum scheidenden Präsidenten Barack Obama, ist offen. Bei dessen letztem Besuch in Berlin, stieg der noch mal aus seiner Limousine – eigens, um auch Heusgen die Hand zu schütteln.

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