Auch für Umgebung gefährlich

Nawalnys Team: Polizei spricht von „tödlichem Mittel“

Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny liegt wegen einer möglichen Vergiftung im Koma. Nach Angaben der Polizei wurde ein „tödliches Mittel“ in seinem Organismus gefunden. Ob er für eine Behandlung nach Berlin verlegt werden kann, ist fraglich.
21.08.2020, 03:43
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Nawalnys Team: Polizei spricht von „tödlichem Mittel“

Kremlkritiker Alexej Nawalny soll nach einer möglicher Vergiftung in Berlin behandelt werden. Foto: Pavel Golovkin/AP/dpa

Pavel Golovkin / dpa

Im Organismus des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny ist nach Angaben seines Teams ein vermutlich „tödliches Mittel“ gefunden worden.

Die Polizei habe den Ärzten mitgeteilt, dass sie diesen gefährlichen Stoff gefunden hätten, sagte der Chef von Nawalnys Anti-Korruptions-Fonds, Iwan Schdanow, am Freitag in Omsk.

Das Gift sei demnach nicht nur gefährlich für Nawalny, sondern auch für die Umgebung, weshalb das Tragen von Schutzanzügen angewiesen worden sei, sagte er. Nawalnys Team veröffentlichte den Auftritt Schdanows und der Frau des Politikers als Video. Ärzte der Klinik teilten am Freitagmorgen mit, dass sich der Zustand von Nawalny verbessert habe.

Wegen der laufenden Ermittlungen sei nicht mitgeteilt worden, um welchen Stoff es sich handele, sagte Schdanow. Unklar war, wo die Polizei das Mittel gefunden habe. Aber ein Polizist habe es dem Chefarzt auf seinem Mobiltelefon gezeigt.

Der 44-jährige Nawalny wird auf der Intensivstation eines Krankenhauses in der sibirischen Großstadt Omsk wegen Vergiftungsverdachts behandelt. Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch kritisierte, dass die Ärzte bisher keinen Transport des Patienten zur Behandlungen im Ausland erlaubten. Sie rief die internationale Gemeinschaft zum Handeln auf, um den Transport zu erzwingen. Nawalny soll in Deutschland behandelt werden.

Zuvor hatten die Mediziner nach Angaben des örtlichen Gesundheitsministeriums Nawalnys Zustand als schwer, aber stabil eingeschätzt. Demnach hatten Spezialisten aus Moskau nach Angaben der Behörden geprüft, ob er für die Verlegung in eine andere Klinik transportfähig sei. Er sollte in Deutschland behandelt werden. Er wurde im Koma künstlich beatmet, hieß es.

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Zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel angeboten, dass der 44-Jährige auch in deutschen Krankenhäusern behandelt werden könnte. „Was jetzt ganz, ganz wichtig ist, ist, dass dringend aufgeklärt wird“, sagte sei bei einem Treffen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

Vor zwei Jahren war bereits der Aktivist Pjotr Wersilow, Mitglied der russischen Polit-Punk-Gruppe Pussy Riot, aus Moskau zur Behandlung nach Berlin geholt worden. Wersilow verdächtigte den russischen Geheimdienst, ihn vergiftet zu haben. Pussy Riot ist mit Aktionen gegen Justizwillkür und Korruption international bekannt.

Der Kreml hatte im Fall einer Verlegung von Nawalny ins Ausland bereits Unterstützung zugesichert und erklärt, es werde Untersuchungen durch die Polizei geben, sollte sich der Verdacht auf eine Vergiftung bestätigen. Nawalny war zuvor in Sibirien zu Recherchen unterwegs.

Nach Angaben seiner Sprecherin ging es dem Kremlkritiker vor dem Abflug nach Moskau noch gut. Am Flughafen in Tomsk habe er noch eine Tasse schwarzen Tee getrunken. Während des Flugs habe er sich dann unwohl gefühlt und noch an Bord das Bewusstsein verloren. Das Flugzeug landete außerplanmäßig in Omsk. Nawalny kam dort ins Krankenhaus.

Nawalny ist der führende Kopf der liberalen Opposition. Er hat auch viele Feinde im Machtapparat. Der studierte Jurist wirft der Regierung und Oligarchen regelmäßig Korruption und Machtmissbrauch vor. Auf den prominenten Kämpfer gegen Korruption hatte es in der Vergangenheit mehrfach Anschläge gegeben. Vor einem Jahr musste er während seiner Haftstrafe in einem Krankenhaus angeblich wegen eines Allergieschocks behandelt werden. Nawalny betonte damals, dass er vergiftet worden sein könnte. (dpa)

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