Episode 8

Neu im Kino: „Star Wars: Die letzten Jedi“

Der immerwährende Kampf zwischen Gut und Böse geht weiter - am Donnerstag läuft „Star Wars: Die letzten Jedi“, der achte Teil der Saga in den Kinos an.
12.12.2017, 21:54
Lesedauer: 4 Min
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Neu im Kino: „Star Wars: Die letzten Jedi“
Von Iris Hetscher

Zweite Teile haben es immer schwer. Der Zauber des Neuen ist verdaut, es muss draufgesattelt werden, um die Zuschauer bei Laune zu halten, Geschichte und Charaktere müssen genauso überzeugen wie beim ersten Mal. Zudem haftet dem Ganzen immer etwas Raffzahniges an: Film Nummer eins hat an der Kasse abgeräumt, der Nachfolger ähnlichen Titels soll sie erneut klingeln lassen. Um solche Erwartungen wie solches Misstrauen zu umschiffen, ist es schlau, gleich in die Vollen zu gehen und von Anfang an eine Trilogie anzukündigen.

Genau das exerzieren die Macher des schier endlosen Kinomärchens namens „Star Wars“ seit mittlerweile unglaublichen 40 Jahren perfekt vor, allerdings mit diversen (jahre-)langen Unterbrechungen. Diese haben den Zauber der Reihe nie geschmälert, eine treue Fangemeinde hat den Kult auch zwischen den einzelnen Folgen am Leben gehalten, vergleichbar ist das nur mit den ebenso langlebigen Weltraum-Kollegen von „Star Trek“.

Nun also ist es soweit. Nachdem die Fans mit schmalen Häppchen – hier ein Trailer, dort eine kryptisch aufblitzende Notiz zum Inhalt - angefüttert worden sind, kommt nun am Donnerstag das Hauptgericht auf den Teller. „Star Wars: Die letzten Jedi“ ist der achte Teil der neuen Zählung und Teil zwei der dritten Trilogie. Auch diese etwas geheimbündlerisch anmutende Kategorisierung gehört zur Fama der Serie, die dazu passend ein munteres Allerlei nicht nur christlicher Erlösungsmythen beinhaltet. Zentral dabei ist der immerwährende Kampf zwischen Gut und Böse, vor allem in jedem Einzelnen, egal, wann und wo. Denn immer noch heißt es: „Es war einmal vor langer Zeit, in einer weit entfernten Galaxie“. Dort war es zum Ende des siebten Teils („Das Erwachen der Macht“, 2015) einmal mehr ungemütlich geworden für die fragilen demokratischen Kräfte der Galaxis.

Formidable Schlacht

Teil acht schließt nahtlos daran an. Statt Action-Film-Routinier J. J. Abrams, der dieses Mal als ausführender Produzent fungiert, hat Rian Johnston Regie geführt, auch gleich das Drehbuch geschrieben und lässt es sofort mächtig krachen. Die faschistoide „Erste Ordnung“ als Nachfolge-Organisation des „Imperiums“ liefert sich zu Beginn eine wie stets formidable Schlacht mit den dezimierten Truppen des Widerstands um Generalin Leia (Carrie Fischer in ihrer letzten Rolle), mit dabei sind auch wieder „Erste-Ordnung“-Deserteur Finn (John Boyega) und Hitzkopf Poe (Oscar Isaac).

Neu an Bord ist eine weitere starke Frauenfigur: Kelly Marie Tran, US-Schauspielerin mit vietnamesischen Wurzeln, spielt die unerschrockene Kampfpilotin Rose, die zu Finns Partnerin wird. Auch Benicio del Toro ist mit von der Partie und gibt einen zwielichtigen Kopfgeldjäger, dem es nur darum geht, „gute Deals“ abzuschließen. So viel Anspielung muss sein in dem wie immer an Ironie und Gags reich ausgestatteten Film. Eine sichere Bank dabei sind die Auftritte der Androiden-Gang C3PO, R2D2 und BB8 sowie diverser phantastischer Tierwesen.

Während andernorts im Universum hartnäckig der Untergang abgewehrt wird, versucht die junge Rey (Daisy Ridley) den desillusionierten Luke Skywalker (Mark Hamill, siehe unten stehendes Interview) von seiner kargen Felsen-Insel in der Irischen See zu locken oder wenigstens dazu zu bringen, sie in den Jedi-Künsten zu unterrichten. Doch Skywalker weigert sich, was Hamill mit einer Art abgeklärter Wehmütigkeit spielt. Dieser Erzählstrang wiederum verknüpft sich immer mehr mit der Fortführung der Geschichte von Kylo Ren alias Ben Solo, dem Sohn von Leia und Han Solo (Harrison Ford), der im siebten Teil seinen Vater tötete.

Auf der dunklen Seite der Macht gut aufgehoben

Auf Adam Driver lastet die schauspielerisch größte Aufgabe des Films und er löst sie souverän. Driver, der spätestens in Jim Jarmuschs „Paterson“ gezeigt hat, welch vielschichtiger Akteur in ihm steckt, stattet seine Figur erneut mit Zwischentönen aus – mal wirkt er melancholisch, dann wieder scheint eine ungeheure destruktive Kraft ihn zu dominieren; läuft etwas schief, flippt er völlig aus und verliert dabei jedes Maß. Oder ist das die Wut auf das eigene, fehlgeleitete Selbst? Immerhin hat Kylo Ren sich der monströsen Tat des Vatermords schuldig gemacht und sich ganz in die Hand des Oberschurken Snoke (Andy Serkis) begeben. Ein böser Mensch, der auf der dunklen Seite der Macht schon ganz richtig aufgehoben ist.

Doch stimmt das? Immerhin ist er ja der Sohn zweier Widerständler und wurde von Skywalker in die Jedi-Künste eingewiesen. Und dann gibt es da diese mysteriöse Verbindung zu seiner Antipodin Rey, gegen die er am Ende des siebten Teils im Laserschwert-Kampf verloren hatte. Schon da war auch viel Anziehungskraft zu spüren.

Dieses Mal sind beide sich zunächst über Lichtjahre hinweg nah – einmal scheinen sich ihre Finger tatsächlich leicht zu berühren. Und dann folgt eine ungeheure Enthüllung: Es war Skywalker, der den jungen Ben in die Arme von Snoke trieb, durch einen Vertrauensbruch ebenso mythologischen Ausmaßes wie der Vatermord im vorherigen Teil. Der Täter ist also ein Opfer, Ying und Yang können sich endlich vereinen? Auch das erweist sich als zu kurz gedacht. Driver jedenfalls schafft es, Kylo Ren schillern zu lassen und damit die gesamte Story voranzutreiben, in der übrigens auch noch das ganz Böse benannt wird: Diejenigen, die der „Ersten Ordnung“ die Waffen verkaufen. Touché.

Der Showdown birgt Überraschungen, zieht sich aber doch sehr lange hin. Da hätte dem 152 Minuten langen Streifen etwas Straffung durchaus gutgetan. Ganz zum Schluss gibt es bereits einen Hinweis auf einen möglichen Neuzugang in Teil neun. Denn es ist noch lange nicht vorbei.

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