Kommentar über Thüringen

Neue Wege

Die Parteien in Thüringen tun gut daran, sich mehr an Inhalte und weniger am Parteibuch zu orientieren, meint unser Redakteur Norbert Holst.
14.01.2020, 05:00
Lesedauer: 1 Min
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Neue Wege
Von Norbert Holst

Was ist noch normal in Thüringen? Die vertrackte Lage nach der Landtagswahl deutete auf das Experiment mit einer rot-rot-grünen Minderheitsregierung hin, deren Arbeit von einem Oppositionsblock aus CDU, FDP und AfD nach Kräften behindert werden könnte. Doch plötzlich heißt das Zauberwort „projektorientierte Regierungsarbeit“, wie es Bodo Ramelow nennt. Der geschäftsführende Linken-Ministerpräsident versucht, die CDU mit ins Boot holen. Und die lässt sogar mit sich reden. Das kommt schon einem Tabubruch gleich. Gehört doch zum Wortschatz vieler Christdemokraten immer noch der stetige Hinweis auf die „SED-Erben“. Und schon kommt aus dem Berliner Parteizentrale die freundliche Erinnerung an einen Grundsatzbeschluss, der jede Zusammenarbeit mit den Linken untersagt.

Doch die Parteien in Thüringen tun gut daran, sich mehr an Inhalte und weniger am Parteibuch zu orientieren. Denn von einer politischen Lähmung im Bundesland würde am ehesten die AfD profitieren. Die Menschen in Thüringen wollen, dass die Politik ihre Probleme löst. Und das erfordert in Erfurt den Mut zu neuen Wegen – aber auch das ist ja gar nicht so normal.

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