Lübcke-Mord

Neuer Verdacht gegen Rechtsextremisten

Der mutmaßliche Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke wird von den Behörden auch verdächtigt, im Jahr 2016 einen Asylbewerber verletzt zu haben.
26.07.2019, 19:16
Lesedauer: 2 Min
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Von Frank Jansen
Neuer Verdacht gegen Rechtsextremisten

Er soll für einen weiteren Angriff verantwortlich sein: Stephan Ernst.

Deck/dpa

Berlin. Der mutmaßliche Mörder von Walter Lübcke gerät nun auch in Verdacht, im Januar 2016 einen Iraker niedergestochen zu haben. Die Kasseler Staatsanwaltschaft sieht einen Anfangsverdacht gegen den Rechtsextremisten Stephan Ernst. Am Donnerstag durchsuchte die Polizei dessen Haus in Kassel. Darüber berichtete zuerst „Spiegel Online“. Das Gebäude ist 2,5 Kilometer vom Ort des Messerangriffs entfernt.

Ein bislang unbekannter Radfahrer hatte am 6. Januar 2016 im Kasseler Vorort Lohfelden laut Staatsanwaltschaft mit einem Messer von hinten einem irakischen Flüchtling in den Bereich der linken Schulter gestochen. Das Opfer erlitt eine „nicht unerhebliche Schnittverletzung“. Der Täter fuhr mit dem Rad weiter. Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst zwei Männer im Blick, die als Messerstecher infrage kamen. Der Verdacht habe sich aber nicht bestätigt, sagten Sicherheitskreise: „Das war eine Sackgasse.“ Die von der Polizei gebildete „Soko Fieseler“ kam bei ihren Ermittlungen wegen versuchten Totschlags nicht voran. Beide Männer hatten mit Stephan Ernst nichts zu tun.

Wie Polizei und Staatsanwaltschaft jetzt zum Anfangsverdacht gegen Ernst kamen, sagen die Behörden aus ermittlungstaktischen Gründen nicht. Naheliegend erscheint, dass die kriminelle Vergangenheit des gewalttätigen Rechtsextremisten eine Rolle spielt. Im Bundeszentralregister sind sieben Verurteilungen eingetragen, darunter eine Messerstecherei und ein versuchter Bombenanschlag auf eine Unterkunft von Flüchtlingen.

Möglicherweise gibt es auch einen Zusammenhang mit einer Einwohnerversammlung vom Oktober 2015 in Lohfelden. Der Kasseler Regierungspräsident Lübcke rief da krakeelenden Flüchtlingsfeinden zu, sie könnten Deutschland jederzeit verlassen. Der CDU-Politiker erntete wütende Rufe, im Internet rollte eine Hasswelle gegen ihn an. Stephan Ernst hatte nach seiner Festnahme im Juni im Fall Lübcke zugegeben, bei der Einwohnerversammlung einer der Protestierer gewesen zu sein. Er sagte auch, Lübckes Äußerung sei das Motiv für das Attentat auf den Regierungspräsidenten gewesen. Der Rechtsextremist hatte nach eigenen Angaben Lübcke mit einem Schuss in den Kopf getötet. Ernst widerrief allerdings nach dem Wechsel seines Verteidigers das Geständnis, er bleibt aber dringend tatverdächtig und in Untersuchungshaft. Im Fall Lübcke ermittelt die Bundesanwaltschaft.

Unterdessen hat die Polizei im Fall Wächtersbach, dem zweiten rechten Anschlag in Hessen in diesem Sommer, eine Wohnung durchsucht. Ein Spezialeinsatzkommando rückte in Erlensee (Main-Kinzig-Kreis) an – nicht weit entfernt vom Ort der Schüsse des Rassisten Roland K. auf einen Eritreer am 22. Juli in Wächtersbach. Dass ein Bruder von K. in der Wohnung lebt, wie Medien berichteten, wollte die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft nicht bestätigen. Ihr Sprecher Alexander Badle sagte nur, es werde ermittelt, „ob sich Personen an Tatplanung und Tatvorbereitung“ des Schützen beteiligt hätten. Die Tat selbst habe K. alleine verübt. Er hatte aus seinem Auto sechs Schüsse auf den Eritreer abgefeuert. Eine Kugel durchschlug den Bauch des Afrikaners. Das Opfer konnte in einer Notoperation gerettet werden. Roland K. erschoss sich vier Stunden nach der Tat.

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