Niedersächsische Landesregierung Neues Schulgesetz nimmt Formen an

Die niedersächsische Landesregierung hat den Weg für ein neues Schulgesetz freigemacht. Kernpunkte sind die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren und die Abschaffung der Schullaufbahnempfehlungen.
04.11.2014, 15:33
Lesedauer: 2 Min
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Die rot-grüne Landesregierung hat den Weg für ein neues niedersächsisches Schulgesetz freigemacht. Demnach soll zum Abitur nach 13 Jahren zurückgekehrt werden, auch die Schullaufbahnempfehlungen am Ende der vierten Klasse sollen entfallen.

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) bewertete den Gesetzentwurf als ein Schritt zu gerechteren Bildungschancen in Niedersachsen. In den kommenden Wochen werden unter anderem Lehrer- und Elternverbände zu der Reform Stellung nehmen. Anfang 2015 soll der Gesetzentwurf in den Landtag eingebracht werden.

Nach den Plänen dürfen Gesamtschulen künftig wie Oberschulen ersetzende Schulform sein. Damit können beispielsweise Haupt- und Realschulen auch zu einer Integrierten Gesamtschule (IGS) zusammengelegt werden, falls ausreichend Schüler dafür vorhanden sind. Gesamtschulen können künftig auch mit Grundschulen organisatorisch zusammengefasst werden. Ein Gymnasium muss dagegen weiterhin "unter zumutbaren Bedingungen" erreichbar bleiben. Zumutbar sei ein Schulweg von einer Stunde, erläuterte die Kultusministerin.

Gymnasien vor dem Aus?

Die schwarz-gelbe Opposition wertet diese Stärkung der Gesamtschulen als Frontalangriff auf das gegliederte Schulsystem. Der von Heiligenstadt beteuerte Bestandsschutz für Gymnasien sei nur ein Deckmantel, sagte der FDP-Schulexperte Björn Försterling. "Niedersachsen würde dann nur noch 30 Gymnasien benötigen", warnte er. Der schulpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Kai Seefried, sagte: "Es wird Heiligenstadts Chancenvernichtungsgesetz werden."

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Auch der Philologenverband, der die Gymnasiallehrer vertritt, sieht die Existenz zahlreicher Gymnasien gefährdet. Eltern sollten bei ihrer Wahl der weiterführenden Schule in Richtung IGS gelenkt werden, sagte der Chef des Philologenverbandes, Horst Audritz. Dagegen mahnte der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Eberhard Brandt, zur Besonnenheit: "Mehr als 50 neue IGSen wurden in den letzten Jahren gegründet, dennoch wurde kein einziges Gymnasium geschlossen."

Lob für G9 und weniger Leistungsdruck

Die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren wird dagegen über Partei- und Verbandsgrenzen hinweg befürwortet. Die Reform soll zum Schuljahr 2015/2016 greifen und wird die Schuljahrgänge fünf bis acht einbeziehen. "Wir geben mehr Zeit zum Lernen und Leben", sagte Heiligenstadt. Wie die Stundentafeln sich im Detail ändern, steht noch nicht fest. Geplant sind der Kultusministerin zufolge eine stärkere Berufs- und Studienorientierung, mehr Förderstunden an Gymnasien, aber keinesfalls ein Aufblähen der Inhalte.

Weniger Leistungsdruck: Die Schullaufbahnempfehlungen am Ende der vierten Klasse fallen weg, weiterhin soll es Beratungsgespräche für Eltern geben. Wenn Schüler zweimal nacheinander sitzenbleiben, müssen sie nicht mehr automatisch das Gymnasium verlassen, sondern es wird ein Ermessensspielraum eröffnet. Eine generelle Abschaffung des Sitzenbleibens oder der Noten in der Grundschule ist dagegen im Gesetzentwurf nicht vorgesehen.

(dpa)

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