Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel soll liberales Profil der Partei schärfen / Kandidatur bei Europawahl Neuzugang für AfD

Bei seinem ersten Auftritt als neues Parteimitglied der Alternative für Deutschland spricht Hans-Olaf Henkel Klartext: Die AfD hält er für die letzte liberale Partei in Deutschland. Sein Ziel: der FDP bei der bevorstehenden Europawahl Wählerstimmen streitig machen.
15.01.2014, 00:00
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Neuzugang für AfD
Von Alexander Pitz

Bei seinem ersten Auftritt als neues Parteimitglied der Alternative für Deutschland spricht Hans-Olaf Henkel Klartext: Die AfD hält er für die letzte liberale Partei in Deutschland. Sein Ziel: der FDP bei der bevorstehenden Europawahl Wählerstimmen streitig machen.

Der Name Hans-Olaf Henkel zieht offenbar: Der Raum, den die AfD gemietet hat, um der Öffentlichkeit ihr neues Zugpferd für die Europawahl vorzustellen, ist viel zu klein. Mehr als 100 Journalisten sind am Dienstagnachmittag zu der Pressekonferenz in Berlin gekommen. Sitzplätze gibt es gerade mal für die Hälfte. Ein Fernsehteam aus Österreich ist da, mehrere Reporter sind eigens aus der Schweiz angereist. Als auch die Stehplätze knapp werden, beginnen die ersten Gäste, auf dem Buffetttisch Platz zu nehmen.

„Eines muss man ihm lassen, er hat nie einen Konflikt gescheut“, sagt eine Frau über den 73-Jährigen, den die Alternative für Deutschland (AfD) nun nach langem Werben endlich überzeugen konnte, in die Partei einzutreten. In der Tat ist Henkel, Ex-Chef des IBM-Konzerns in Europa, Ex-Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) und Ex-Präsident der Wissenschaftsorganisation Leibniz-Gemeinschaft, ein streitbarer Geist. Früher stieß er so manchen mit seinen wirtschaftsliberalen Thesen vor den Kopf, heute eckt er vor allem mit seiner eurokritischen Haltung an.

Henkel, der neben AfD-Chef Bernd Lucke sitzt, weist sogleich den Vorwurf zurück, seine neue Partei mache sich rechtspopulistische Positionen zu eigen. Er habe in den vergangenen Wochen und Monaten viele Veranstaltungen besucht und viele Gespräche mit dem Bundesvorstand geführt. „Die AfD besteht nicht aus politischen Hasardeuren, sondern aus Ehrenfrauen und Ehrenmännern, die mit vollem Einsatz gegen rechtsextreme Einflüsse einschreiten“, lautet sein Fazit. Sonst wäre er jetzt nicht hier.

„Ich will meinen Beitrag dazu leisten, dieser Partei ein liberales Profil zu geben“, sagt Henkel und macht damit unzufriedenen FDP-Wählern deutliche Avancen. Die unverantwortliche Euro- und Europapolitik der etablierten Parteien habe ihn zu seinem Engagement bewogen. Auch FDP und Freie Wähler, die er früher unterstützte, hätten sich von ihren liberalen Grundsätzen verabschiedet.

Ginge es nach seinem Willen, sollte es in der europäischen Währungsunion möglich sein, chronische Defizitländer auszuschließen. Keinesfalls dürften deutsche Sparer für die Schulden anderer Staaten haften. Bei der Europawahl im Mai will Henkel auf einem vorderen Listenplatz kandidieren. Den ersten Platz auf der Liste werde er dem Vorsitzenden Bernd Lucke überlassen. Die Chancen auf einen Einzug ins Europaparlament stehen gut – es gilt eine Drei-Prozent-Hürde. Bei der Bundestagswahl im September war die AfD auf 4,7 Prozent gekommen.

Lucke ist während der Pressekonferenz die Freude über den Neuzugang anzusehen. Für ihn bietet das Engagement Henkels die Gelegenheit, von den internen Querelen der vergangenen Wochen abzulenken. Besonders der hessische Landesverband sorgte zuletzt mit öffentlich ausgetragenen Streitereien immer wieder für Negativschlagzeilen. „Dass sich eine solche Persönlichkeit für unsere Partei entschieden hat, ist eine große Bereicherung“, sagt der Bundesvorsitzende. Er erhoffe sich Rückenwind für den Parteitag am 25. Januar in Aschaffenburg, bei dem die AfD die Weichen für die Europawahl stellen werde.

Auch im niedersächsischen Landesverband ist man angetan vom neuen Parteimitglied. „Ich sehe das positiv“, sagt der stellvertretende Landesvorsitzende Matthias Dorn. Hans-Olaf Henkel sei eine respektable Persönlichkeit. Ob die AfD durch den Beitritt mehr Zulauf bekomme, müsse man allerdings erst abwarten. Die Mitgliederzahl in Niedersachsen steige ohnehin kontinuierlich. Zurzeit liege sie bei 1600. Internen Streit, so Dorn, gebe es nicht.

Die AfD in Bremen, der 150 Mitglieder angehören, begrüßt den Entschluss Henkels ebenfalls. „Das wird uns Auftrieb geben“, sagt Landessprecher Christian Schäfer. Henkels Prominenz verschaffe der Partei zusätzliche Aufmerksamkeit.

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