Kommentar über den USA-Iran-Konflikt

Nichts weiter als Zeitgewinn

Die Vermutung lag nahe, es könnte einen Ruhani-Trump-Gipfel am Rande der UN-Vollversammlung Ende September in New York geben. Doch Trumps Bedingungen wird Ruhani unmöglich annehmen, meint Thomas Spang.
27.08.2019, 18:13
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Nichts weiter als Zeitgewinn
Von Thomas Spang
Nichts weiter als Zeitgewinn

Der iranische Präsident Hassan Ruhani.

DPA

Es gab einmal eine Zeit, als das Wort eines amerikanischen Präsidenten etwas galt. Heute beträgt die Halbwertzeit der Gültigkeit von Aussagen Donald Trumps oft nicht einmal die Dauer eines Nachrichtenzyklus. Er sei bereit, mit dem iranischen Präsidenten Ruhani zusammenzutreffen, „wenn die Umstände korrekt seien“, erklärte der US-Präsident mit Frankreichs Staatschef Emanuel Macron an der Seite auf dem G7-Gipfel. Ob dessen Einschätzung für das Zeitfenster „in Wochen“ richtig klinge, wollten Reporter wissen. „Tut es“, antwortete Trump.

Die Vermutung lag nahe, dies könnte einen Ruhani-Trump-Gipfel am Rande der UN-Vollversammlung Ende September in New York bedeuten. Während kurzatmige Kommentatoren bereits eine Annäherung witterten, schoss Trump den Ballon selber wieder ab. Er formulierte Bedingungen für Direktgespräche mit Ruhani, die dieser unmöglich annehmen kann. Dass der iranische Präsident trotzdem so tut als ob, macht die Aussichten auf eine Lösung des Atomstreits nicht besser. Aber er hat von Nordkoreas Kim Jong-Un gelernt, der Trumps strategisches Durcheinander clever genutzt hat, Zeit zu gewinnen.

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