Niedersachsen

Land macht 100 Millionen Euro für Schüler locker

Kinder- und Jugendliche gelten als Verlierer der Corona-Krise. Jetzt will die niedersächsische Landesregierung ihnen mit einem 100 Millionen Euro schweren Programm etwas zurückgeben.
06.07.2021, 17:05
Lesedauer: 3 Min
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Land macht 100 Millionen Euro für Schüler locker
Von Peter Mlodoch
Land macht 100 Millionen Euro für Schüler locker

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne und Sozialministerin Daniela Behrens (beide SPD) wollen die Benachteiligungen, die Kinder- und Jugendliche während der Pandemie erlebt haben, mit viel Geld zumindest etwas ausgleichen.

Julian Stratenschulte/dpa

Sprachcamps, Schwimmkurse, Sondertöpfe für die Schulen zur Lernförderung: Niedersachsens Landesregierung hat das Aufholprogramm für Kinder und Jugendliche auf den Weg gebracht. Zusätzlich zu den 122 Millionen Euro aus Bundesmitteln stellt das Land selbst 100 Millionen Euro aus dem Sondervermögen zu Bewältigung der Corona-Folgen bereit. „Das ist ein sehr umfangreiches, aber auch ein sehr notwendiges Programm“, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Dienstag in Hannover.

20 Millionen Euro für Filter und Lüftung in den Klassenzimmern

20 Millionen Euro sollen dabei in den technischen Infektionsschutz fließen, namentlich in mobile Filteranlagen und automatische Lüftungssysteme für die Klassenzimmer. Dabei nimmt der Ressortchef, der bislang eher skeptisch gegenüber Luftreinigungsgeräten war, vor allem die Schuljahrgänge eins bis sechs ins Visier. Die Schüler dort würden nämlich wegen ihres Alters „auf absehbare Zeit kein Impfangebot“ erhalten. Daher wolle man jetzt jeden der rund 25.000 Klassenräume mit Zu- und Abluftanlagen ausstatten. „Das ist aber kein Ersatz für ausreichendes Lüften“, stellte Tonne noch mal klar.

Bei Bedarf tägliche Tests für Schülerinnen und Schüler

Gleichzeitig kündigte der Minister an, notfalls die Test-Intervalle für Schüler deutlich zu verkürzen, falls dies das Infektionsgeschehen mit der hochansteckenden Delta-Variante erfordere. „Darauf sind wir eingerichtet. Kein Schüler muss Angst vor dem nächsten Schuljahr haben.“ Derzeit müssen Schüler in Niedersachsen zwei Mal pro Woche zu Hause einen Selbsttest durchführen. Dieses System habe sich bewährt, daher werde man es beibehalten, aber bei Bedarf auf tägliche Tests ausdehnen.

25 Millionen Euro für pädagogische Mitarbeiter an den Schulen

Ins Zentrum des Aufholprogramms stellt Niedersachsen eine bessere personelle Ausstattung der Schulen. Diese bekommen ein Sonderbudget von 70 Millionen Euro, aus dem sie Projekte und Programme zum erfolgreichen Lernen, aber auch zum Erwerb von Kompetenzen bei Bewegung, Sprache, Gesundheit, Ernährung und im sozial-emotionalen Bereich anbieten sollen. Mit dem Geld können die Schulen die benötigten Kursleiter anheuern, pensionierte Lehrkräfte etwa, Studierende oder Übungsleiter. Daneben stellt das Land 25 Millionen Euro bereit, um an jeder der 3000 Schulen einen pädagogischen Mitarbeiter auf 450-Euro-Basis für Pausenaufsicht oder Betreuung einzustellen oder weiter zu beschäftigen.

175 neue Sozialarbeiter und zusätzliche Stellen für Psychologen

Weiteres Geld gibt das Land für 175 Schulsozialarbeiter. Diese sollen künftig nicht nur Lehrkräfte im Unterricht unterstützen, sondern auch „aufsuchend“ tätig werden. Also aktiv auf abgetauchte Schüler zugehen, um so deren verlorenen Kontakt zur Schule wiederherzustellen. Die Schulpsychologie will die Regierung ebenfalls mit zusätzlichen Stellen stärken.

Fonds für Familien in konkreten Notlagen

Unter dem Motto „Startklar in die Zukunft“ gehe es darum, jungen Menschen neues Zutrauen zu geben, wieder Kontakte zu ermöglichen und ohne Druck und Stress Verpasstes aufarbeiten zu können, betonte Sozialministerin Daniela Behrens (SPD). „Kinder und Jugendliche haben eine Hauptlast bei der Pandemiebekämpfung getragen. „Jetzt geben wir ihnen etwas zurück.“ Elf Punkte umfassen die außerschulischen Angebote – von finanziellen Förderung für Kinderfeste in Kommunen, über Kunst und Kultur bis hin zu Zuschüssen für Schwimmkurse und Sprachcamps. Für Familien in konkreten Notlagen steht ein Fonds über 150.000 Euro bereit.

Grüne: Das Konzept kommt viel zu spät

„Das reicht doch überhaupt nicht aus“, kritisierte der Grünen-Abgeordnete Volker Bajus. Das gesamte Programm komme viel zu spät, meinte Grünen-Fraktionschefin Julia Willie Hamburg. „Das ist fatal für Kinder und Jugendliche.“ Diese Landesregierung sei sich zwar der Notwendigkeit für dringende Hilfen bewusst gewesen, habe dafür aber kein Geld ausgeben wollen. „Sie hat einfach abgewartet, bis Bundesmittel dafür zur Verfügung stehen.“

FDP fordert freiwillige Lernangebote in den Ferien

Auch FDP-Bildungsexperte Björn Försterling kritisierte den schleppenden Kurs der SPD/CDU-Regierung. Im Bereich der pädagogischen Mitarbeiter, Schulsozialarbeiter und Schulpsychologen seien die Lücken seit Jahren bekannt. „Leider bleibt das Land auch weiterhin meilenweit davon entfernt, die Niedersächsische Bildungscloud mit den Lerninhalten der Kernfächer auszustatten. Auch freiwillige Lernangebote für Schülerinnen und Schüler in den Sommerferien finden sich nicht in dem Konzept.“ Der Fraktionsvize mahnte, dass das Geld jetzt schnell die Kinder und Jugendlichen erreichen müsse und nicht „in einem bürokratischen Vakuum verpuffen“ dürfe.

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