Kommentar über die Brexit-Gespräche

Abgebrühte EU

Es ist von beiderseitigem Interesse, ein Freihandelsabkommen zu vereinbaren. Neben London muss sich auch Brüssel bewegen, sollen die Verhandlungen noch in einen Erfolg münden, meint Katrin Pribyl.
06.06.2020, 08:44
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Abgebrühte EU
Von Katrin Pribyl
Abgebrühte EU

Michel Barnier, der EU-Chefunterhändler für den Brexit. In den Verhandlungen zeigte sich die Union abgebrüht und zynisch.

YVES HERMAN/DPA

Auch die vorerst letzte Verhandlungsrunde zwischen Brüssel und London über ein künftiges Freihandelsabkommen ging ohne nennenswerte Fortschritte zu Ende. Das ist kaum überraschend. Zu schleppend verliefen die Gespräche in den vergangenen Monaten, zu weit auseinander liegen die Wünsche. Das Problem ist jedoch, dass mit jedem Tag die Uhr lauter tickt. Der Zeitrahmen wurde so eng gestrickt, dass eine Einigung fast unmöglich scheint. Ein ungeregelter Brexit aber hätte gravierende Folgen für die Volkswirtschaften auf der Insel wie auch auf dem Kontinent. Die Briten sind für dieses Szenario, das Zölle und Warenkontrollen beinhaltet, keineswegs gewappnet.

Doch dessen scheint man sich im Königreich nicht bewusst. In den Gesprächen mangelte es an Realismus darüber, was ein No Deal praktisch bedeutet. Die Vorstellungen über das künftige Verhältnis zum wichtigsten Handelspartner sind alles andere als klar. Derweil präsentiert sich die EU als abgebrüht und zynisch. Sie spielt ihre Stärke aus, ihre Erfahrung, ihre Größe. Doch es ist von beiderseitigem Interesse, ein Abkommen zu vereinbaren. Neben London muss sich auch Brüssel bewegen, sollen die Verhandlungen noch in einen Erfolg münden.

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