Humorvoller Auftritt vor Washingtons Auslandskorrespondenten Obamas erster Abschied

Washington. Er müsse sich entschuldigen, ein wenig zu spät gekommen zu sein, begrüßt der Präsident die 2600 geladenen Gäste im Hilton Hotel. „Ich hielt mich in der CPT-Zeitzone auf“.
02.05.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Obamas erster Abschied
Von Thomas Spang

Er müsse sich entschuldigen, ein wenig zu spät gekommen zu sein, begrüßt der Präsident die 2600 geladenen Gäste im Hilton Hotel. „Ich hielt mich in der CPT-Zeitzone auf“. CPT ist die Abkürzung für „Colored People Time” (Zeitzone für Farbige). Obama erntet reichlich Gelächter.

Ein guter Start für einen Abend, dem Washington jedes Jahr entgegenfiebert. Das „White House Correspondent Dinner“ ist mit Abstand das gesellschaftliche Ereignis im „Hollywood der Langweiler”, wie Washington ein wenig despektierlich genannt wird. Denn neben Politikern, Journalisten und ein paar gut vernetzten „Nobodys”, tauchen auch leibhaftige Stars aus Hollywood auf.

Dies sei seine achte und letzte Rede vor den Korrespondenten des Weißen Hauses, die mit dieser Tradition 1921 begannen, als sie den damaligen Präsidenten Warren G. Harding einluden. „Wenn das hier gut ankommt, werde ich das Material im nächsten Jahr für eine Rede bei Goldman Sachs verwenden“, die ihm echtes Geld einbringen werde.

Statt seiner werde dann jemand anderes an seiner Stelle stehen. „Sie dürfen raten, wie sie heißt?”, spielt Obama auf Hillary Clinton an, die das Rennen um die Nominierung zur demokratischen Präsidentschaft-Kandidatin so gut wie gewonnen hat. Bernie Sanders, der, anders als Hillary Clinton, im Publikum sitzt, nimmt es mit Humor. Wie er auch über die Frotzelei über seinen wenig formalen Stil schmunzelt. „Bernie, Du siehst aus, als wärest Du ein Millionär”, kommentiert Obama die Entscheidung Sanders statt im schwarzen Tuxedo bloß mit Anzug und Krawatte zu kommen.

Natürlich bekam auch die politische Konkurrenz ihr Fett ab. Allen voran Donald Trump. Obama hat eine Erklärung, warum der Milliardär selber nicht aufgetaucht sei, obwohl es doch genügend Stars und Kameras im Raum gebe. Er sei damit beschäftigt, „Beleidigungen an Angela Merkel zu twittern” – eine doppelte Anspielung auf Trumps Leidenschaft für das Zwitschern und seine Kritik an der Flüchtlingspolitik Merkels.

Zum Schluss gab es dann noch ein paar ernste Worte. „Wir leben in einer Zeit, in der die Werte einer liberalen Demokratie angegriffen werden”, merkt der Präsident direkt an das Pressecorps gerichtet an. Obama warnte vor dem Versuch, Objektivität und Fakten aus dem Weg zu gehen. Er mahnte die Journalisten „tiefer zu graben. Das ist Ihre Verantwortung“.

Mit den Worten „Obama out“ ließ der Präsident zum Ende seiner Rede das Mikrofon fallen und die Tränen rollen. Sentimentaler Abschied eines humorvollen Redners.

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