Kommentar zum Parteitag Die CDU geht den bequemen Weg

Die CDU setzt mit der Wahl von Armin Laschet zum neuen Vorsitzenden auf ein „weiter so“. Das kann gut für die Partei sein, aber schlecht für eine Kanzlerkandidatur, meint Norbert Holst.
16.01.2021, 19:30
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Die CDU geht den bequemen Weg
Von Norbert Holst

Die CDU hat die Weichen gestellt. Bei der Wahl des neuen Vorsitzenden hatten die 1001 Delegierten auf dem digitalen Parteitag die Qual der Wahl: Armin Laschet warb um Vertrauen und Weiterführung des Merkel-Kurses, Friedrich Merz beschwor deutsche Wirtschaftskraft, Norbert Röttgen malte das Bild einer Partei, die jünger, weiblicher und digitaler werden müsse.

Die Christdemokraten setzen mit der Wahl Laschets auf ein „Weiter so“. Das ist wohl auch der „Rede seines Lebens“ (Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther) geschuldet. In der brachte der Mann aus Aachen nicht nur Bergmannstradition, Trump und CDU-Frauenmangel unter einen Hut, sondern nahm auch Anleihen bei Kanzlerin Merkel: „Ich bin nicht der Mann der perfekten Inszenierung, aber ich bin Armin Laschet.“

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Da weiß man, was man hat. Ein Politprofi, der integrieren und Gräben überwinden kann. Chef einer schwarz-gelben Landesregierung, die bemerkenswert geräuschlos funktioniert. Aber auch das ist Laschet: ein Politiker, der die Fahne gerne nach dem Wind hängt und zu Beginn der Corona-Krise mit einem Zickzackkurs Verwirrung stiftete. Dennoch: Für die CDU ist er womöglich die richtige Wahl. Denn es ist wichtig, die Flügel der auseinanderdriftenden Partei vor der Bundestagswahl wieder einzufangen. Röttgen hat diese Bereitschaft sogleich signalisiert, Merz lässt sie – nicht unerwartet – vermissen.

Den konservativen Flügel sollte Laschets Tandempartner Jens Spahn bedienen. Doch der schwächelt. Im Streit über die Impfstrategie kann er nicht überzeugen, und auf dem Parteitag leistete er sich einen Fauxpas zum Fremdschämen: In einer Frage-Runde mit den Kandidaten schaltete er sich hinzu, nur um ein Loblied auf Laschet zu singen.

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Dessen Problem ist allerdings, das ihm viele Bürger die Kanzlerrolle nicht zutrauen. Da ist Markus Söder klar im Vorteil. Und für Bayerns Ministerpräsident ist Laschet im Rennen um das Kanzleramt ein leichterer Konkurrent als es ein Merz oder ein Röttgen gewesen wäre. Zufall oder nicht: Söder zeigte nach dem CDU-Entscheid auffallend gute Laune.

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