Kommentar über Datenschutz

Persönliche Daten sind kein Rohstoff

Die Datenschutz-Grundverordnung ist nicht schlecht. Aber sie hat Schwachstellen, etwa bei der Profilbildung von Internetnutzern, meint unser Gastautor Florian Glatzner.
17.12.2019, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Florian Glatzner
Persönliche Daten sind kein Rohstoff

Smart Home ist das Schlagwort für vernetzte Geräte im Haushalt. Die Kehrseite des Komforts ist die mögliche Datensammelei im Hintergrund.

SOEREN STACHE/DPA

Rund 70 Prozent der Internetnutzer fühlen sich laut aktueller Umfrage des Digitalverbandes Bitkom durch den Missbrauch ihrer Daten bedroht. Zu Recht. Zahlreiche Datenskandale der vergangenen Jahre mit Millionen von Betroffenen zeigen, dass Unternehmen unsere privaten Daten immer wieder unerlaubt auswerten und an Dritte, zum Beispiel die Werbeindustrie weitergeben.

Und das Risiko wächst. Schließlich hinterlassen wir immer mehr digitale Spuren, die nahezu jede Sekunde unseres Alltags erfassen und zu Profilen verknüpft werden können. Mit Hilfe dieser Profile können Unternehmen unser Verhalten analysieren, prognostizieren und dazu nutzen, um uns im Sinne ihrer oft wirtschaftlichen Interessen zu beeinflussen.

Wie im Fall von Cambridge Analytica, ein Unternehmen, das Millionen von Daten unerlaubt gesammelt und ausgewertet hatte, um mit zugeschnittenen Botschaften das Wahlverhalten in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern zu beeinflussen. Nicht umsonst warnt die Harvard-Ökonomin Shoshana Zuboff vor einem „Überwachungskapitalismus“.

Hoffnung machte deshalb die seit Mai 2018 gültige europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Sie hilft den Internetnutzern, wieder mehr Kontrolle über ihre Daten zu gewinnen. Einige Neuerungen sind ein echter Gewinn für Nutzer und Unternehmen. So müssen sich seitdem alle Unternehmen, die in Europa tätig sind, an einheitliches europäisches Recht halten – unabhängig davon, wo ihr Firmensitz liegt.

Jedoch haben sich in den vergangen eineinhalb Jahren zwei Probleme herauskristallisiert, die die Wirkung der DSGVO begrenzen. Den Aufsichtsbehörden fehlen Personal und Geld, um die neuen Regeln zeitnah durchzusetzen.

In Deutschland müssten deshalb die zuständigen Bundesländer ihre Behörden endlich angemessen ausstatten. Außerdem wurde ausgerechnet die Profilbildung nur schwach geregelt, obwohl diese oftmals ein hohes Risiko für die Verbraucher darstellen kann.

Daher ist es gut, dass die DSGVO im Mai 2020 evaluiert werden soll. Die Bundesregierung und die EU-Kommission sollten sich für klare Grenzen bei der Profilbildung einsetzen um den schädlichen Auswirkungen des „Überwachungskapitalismus“ entschieden entgegenzutreten. Die Wirtschaft hat ein großes Interesse daran, unsere persönlichen Daten möglichst ungehindert als Rohstoff zu nutzen. Die Politik sollte das verhindern.

Info

Zur Person

Unser Gastautor

ist Referent für Datenschutz im Team Digitales des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Der Politikwissenschaftler war zuvor beim FoeBuD e.V. (seit 2012 Digitalcourage).

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