Podiumsdiskussion im Hermann-Böse-Gymnasium bereitet Jugendliche auf Bundestags- und Juniorwahlen vor

Politiker stehen Schülern Rede und Antwort

Das Hermann-Böse-Gymnasium hat anlässlich der bevorstehenden Bundestags- und Juniorwahlen eine Podiumsdiskussion organisiert. Sieben Bremer Politiker, darunter drei Bundestagsabgeordnete, debattierten mit den Schülern über Bildungspolitik und Politikverdrossenheit. Die beiden 17-jährigen Oberstufenschüler Samuel Frey und Silvano D‘Agostino trugen mit ihrer Moderation dazu bei, dass die Diskussion munter verlief.
05.09.2013, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Hasan Gökkaya
Politiker stehen Schülern Rede und Antwort

Die Politiker Christian Schäfer (AfD, von links). Torsten Staffeldt (FDP), Marcel Freihorst (CDU) und Carsten Sieling (SPD) sowie Klaus-Rainer Rupp (Linkspartei, von rechts), Marieluise Beck (Grüne) und Marvin Pollock (Piraten) bei der Diskussion im Hermann-Böse-Gymnasium.FOTOS: ROLAND SCHEITZ

Roland Scheitz

Das Hermann-Böse-Gymnasium hat anlässlich der bevorstehenden Bundestags- und Juniorwahlen eine Podiumsdiskussion organisiert. Sieben Bremer Politiker, darunter drei Bundestagsabgeordnete, debattierten mit den Schülern über Bildungspolitik und Politikverdrossenheit. Die beiden 17-jährigen Oberstufenschüler Samuel Frey und Silvano D‘Agostino trugen mit ihrer Moderation dazu bei, dass die Diskussion munter verlief.

Samuel Frey und Silvano D‘Agostino aus der 12. Klasse des Hermann-Böse-Gymnasiums moderierten jetzt in der Aula des Hermann-Böse-Gymnasiums (HBG) ein Gespräch zwischen Bremer Politikern und Jugendlichen. Rund 300 Schüler, die meisten im Alter zwischen 16 und 18 Jahren, füllten vollständig die Aula der Schule. Angesichts der näher rückenden Wahlen zum Deutschen Bundestag und den bundesweiten Juniorwahlen wollte das Hermann-Böse-Gymnasium den Jugendlichen die Möglichkeit geben, die verschiedenen Standpunkte der politischen Parteien zu aktuellen Themen besser zu verstehen.

Die beiden Oberstufenschüler Samuel Frey und Silvano D‘Agostino hatten es auf den Vorschlag einer Lehrerin hin übernommen, eine Podiumsdiskussion zu organisieren. Sie luden sieben Bremer Politiker: Carsten Sieling (SPD), Marcel Freihorst (CDU), Marieluise Beck (Grüne), Klaus-Rainer Rupp (Linke), Torsten Staffeldt (FDP), Marvin Pollock (Piraten) und Christian Schäfer (AfD).

Thematisch spielte die Bildungspolitik eine zentrale Rolle. Der Linke Klaus-Rainer Rupp reizte prompt seine Podiumskollegen zum Widerspruch. „Die Bildung muss nicht immer verwertet werden“, sagte Rupp. „Natürlich soll man damit Geld verdienen, aber das ist nicht das primäre Anliegen.“ Rupp sieht auch keinen Sinn darin, Kinder mit Bildung einfach nur „zu überschütten“, und er betonte die wichtige Stellung von Gesamtschulen.

Die Bundestagsabgeordneten Marieluise Beck (Grüne) und Torsten Staffeldt (FDP) widersprachen: Sie fanden die Aussagen des Linken-Politikers „fernab der Realität“.

Für Buh-Rufe und laute Gegenstimmen aus dem Publikum sorgte Christian Schäfer, der Bremer Vorsitzende der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD). „Wir können nicht die Top-Performer auf der einen und die Immigranten auf der anderen Seite auf einer Gesamtschule haben, das funktioniert nicht“, meinte Schäfer.

Mut zeigte der 22-jährige Marcel Freihorst von der Jungen Union, als es um ein sensibles Thema ging. Auf die Frage, wie er die rechtliche Situation gleichgeschlechtlicher Partnerschaften bewerte, scheute Freihorst nicht vor Kritik an der eigenen Partei zurück: „Entgegen der Regierungshaltung finde ich, dass die CDU bei diesem Thema der Zeit hinterher läuft. Deshalb bin ich von der Haltung meiner Partei zu dieser Frage enttäuscht.“

Die beiden jungen Moderatoren hatten es zwar teils mit erfahrenen Politikern aus dem Bundestag zu tun, sie steuerten die Debatte aber souverän und ließen es nicht zu, dass die Podiumsdiskussion zu einer reinen Werbefläche wurde. Mit Ansagen wie „Bitte kurz antworten“ und „Nein, Sie sind noch nicht dran!“ hielten sie die Politiker davon ab, in uferloses Schwafeln zu kommen.

Auch fünf Schülerinnen und Schüler aus dem Publikum konnten ihre Fragen an die Parteienvertreter stellen. Imogen Wilkins (16) aus Weyhe kritisierte zunächst scharf den AfD-Vertreter Christian Schäfer (AfD), bevor sie ihre Fragen stellte. „Eigentlich wollte ich nur Herrn Schäfer etwas fragen, aber mit seiner diskriminierenden Art hat er sich für mich bereits disqualifiziert“, so die Schülerin.

Aktuelle Themen wie die NSA-Affäre oder ein möglicher Militärschlag gegen die Regierung Syriens interessierten die fünf Schülerinnen und Schüler.

Zum Ende hin fragte Silvano D‘Agostino in die Runde, warum so viele Jugendliche politikverdrossen seien. Christian Schäfer (AfD) verwies auf „viele „Scheindiskussionen“, die die Politik im Moment beherrschen würden. Sie würden dazu führen, dass sich die Bürger abwenden. Marieluise Beck (Grüne) meinte, das Problem entstehe durch zu hohe Versprechungen seitens der Politiker. Carsten Sieling (SPD) und Marvin Pollock (Piraten) forderten mehr Transparenz in der Politik und wiesen auf fehlende Möglichkeiten von Volksentscheiden hin. Gewagter formulierte es Torsten Staffeldt (FDP): „Ich hatte in Bremen ein Projekt begonnen, um mich mit Bremern zu treffen und mit ihnen über Politik zu reden. Aber es kamen kaum Leute!“ Deshalb dürfe der Vorwurf nicht nur an die Politiker gerichtet werden, sondern müsse auch in Richtung der Bürger gehen, meinte der Bundestagsabgeordnete.

Im Hermann-Böse-Gymnasium werden Veranstaltungen wie diese in der Regel intensiv von Lehrkräften begleitet. Das war in diesem Fall nicht nötig, denn Samuel Frey und Silvano D‘Agostino leisteten intensive Vorbereitungsarbeiten: Sie feilten an den Fragen und dem Ablauf der Podiumsdiskussion. „Wir beide haben schon häufiger an politischen Planspielen im HBG teilgenommen, daher haben wir inzwischen das nötige Fachwissen“, sagte Silvano D‘ Agostino. Er beendete die Podiumsdiskussion nach zweieinhalb Stunden. Als auch der letzte Bremer Politiker wieder gegangen war und auch alle Mitschüler die Aula wieder verlassen hatten, zog der in Schwachhausen wohnende Schüler eine positive Bilanz der Veranstaltung: „Ich bin zufrieden mit dem Ablauf.“ Der 16-jährige Eric Cordes aus Schwachhausen, der unter den Zuhörern war, bestätigte den positiven Eindruck: „Ich glaube, dass die Podiumsdiskussion dazu beigetragen hat, Schüler für Politik zu interessieren.“

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