Polizeigewalt in den USA

Explosive Stimmung in Minnesota nach tödlichem Einsatz gegen jungen Schwarzen

Ein weiterer Fall tödlicher Polizeigewalt gegen einen Schwarzen in Minneapolis heizt die wegen des George-Floyd-Prozesses ohnehin schon angespannte Stimmung weiter auf. US-Präsident Joe Biden mahnt zur Ruhe.
14.04.2021, 05:00
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Explosive Stimmung in Minnesota nach tödlichem Einsatz gegen jungen Schwarzen
Von Thomas Spang
Explosive Stimmung in Minnesota nach tödlichem Einsatz gegen jungen Schwarzen

Zehn Monate nach dem Tod von George Floyd kommt es in Minneapolis erneut zu Protesten – weil ein Schwarzer von einer Polizistin erschossen wurde.

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Knapp ein Jahr später und nur ein paar Meilen weit von dem Ort entfernt, an dem George Floyd unter dem Knie eines weißen Polizisten starb, wiederholen sich fast identische Szenen. Wieder trauert eine schwarze Familie um einen Sohn, den eine Polizistin in dem 30.000-Seelen Ort Brooklyn Center vor den Toren von Minneapolis erschossen hat. Und wieder protestieren aufgebrachte Menschen gegen den exzessiven Gebrauch tödlicher Waffen durch die Ordnungshüter.

„Das hätte zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt passieren können“, sagt Bürgermeister Mike Elliot, der mit US-Präsident Joe Biden die angespannte Lage nach dem Tod des 20-jährigen Daunte Wright am Telefon erörterte. Eine halbe Autostunde von hier entfernt geht der Mordprozess gegen den Polizisten Dereck Chauvin auf die Zielgerade, der sich vor einem Geschworenengericht für den Tod Floyds verantworten muss. Für kommenden Montag stehen die Schlussplädoyers an.

Der Bundesstaat hat bereits die Nationalgarde mobilisiert, um für Ruhe zu sorgen, falls die Jury den weißen Polizisten freispricht oder wegen geringerer Tatbestände als Mord oder Totschlag verurteilt. Und jetzt das. „Wir sind kollektiv zerstört“, beschreibt Bürgermeister Elliot die Stimmungslage seiner Gemeinde, die auf zwei Nächte mit Protesten und Plünderungen zurückblickt.

Der junge Schwarze wurde am Sonntagnachmittag von der Polizei wegen einer Bagatelle angehalten. Bei Überprüfung der Personalien fiel auf, dass der Mann einen Eintrag in der Datenbank wegen zwei kleinerer Vergehen hatte. Zwei Polizisten versuchten daraufhin, ihm Handschellen anzulegen. Eine dritte Beamtin kam mit gezogener Dienstwaffe hinzu. Und erschoss den 20-Jährigen.

„Aus Versehen“, wie Polizeichef Tim Gannon bei einer Pressekonferenz sagte, auf der er das ungeschnittene Video von der Dienstkamera an der Uniform präsentierte. „Ich glaube, dass die Polizistin die Absicht hatte, ihren Taser einzusetzen und stattdessen Mister Wright mit einer Kugel erschossen hat.“

Vater Aubrey Wright eilte zum Ort des Geschehens, an dem er seinen Sohn bedeckt mit einem weißen Tuch vor dem Auto sah, das er ihm vor Kurzem geschenkt hatte. „Er hatte den Verstand eines 17-jährigen“, sagt er über seinen lernbehinderten Sohn, der die Schule abbrechen musste und mit schlecht bezahlten Jobs versuchte, sein zweijähriges Kind durchzubringen. „Ich verstehe nicht, warum er sterben musste.“

Mutter Katie Wright sagte bei einer Kerzenandacht, ihr Herz sei in tausend Stücke zersprungen. „Er war mein Leben, er war mein Sohn, ich werde ihn nie wieder zurückbekommen.“ Trotz ihrer Trauer bat sie, den Frieden zu wahren. Präsident Biden drückte seine Anteilnahme an dem „tragischen“ Tod des 20-Jährigen aus und versprach „eine umfassende Untersuchung“. „Bitte hören Sie auf Dauntes Mutter“, appellierte der Präsident an die aufgebrachte Gemeinde.

Jamar Nelson von der Organisation „A Mother's Love“ meint, dies sei keine leichte Aufgabe. Falls das Urteil in dem George-Floyd-Prozess die Menschen enttäuscht, werde die Wut kaum unter Kontrolle zu halten sein. „Rom wird brennen.“

Der schwarze Bürgermeister von Brooklyn Center hat keine Geduld mit Ausreden und Entschuldigungen. „Wir können uns nicht leisten, Fehler zu machen, die zum Verlust des Lebens anderer Menschen führen“, beklagt Mike Elliot den Gewalteinsatz. Erste Konsequenz: Die Todesschützin ist ihren Job los.

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