Gastbeitrag über die Pflege Potemkinsche Pflege-Dörfer

Nur die Menschen, die die tägliche Pflegemisere vor Augen haben, sind in der Lage, langfristig Verbesserungen zu erreichen. Sie müssen aber dazu die Möglichkeiten haben, sagt Gastautor Manfred Sack..
13.01.2018, 20:50
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Manfred Sack

Pflegekammern sind wirklich in der Lage, die Beschäftigten in der Pflege besser zu vertreten, als es bisher der Fall ist. Zumal offensichtlich die Betriebsräte in den Heimen nicht gerade die stärkste Position zu haben scheinen. Wie sonst ist es zu erklären, dass in den meisten Heimen fast konstant Pflegepersonal fehlt. Jeder Tag Unterbesetzung bringt Geld, etwa 30 bis 40 Euro pro Arbeitsstunde (Stundenlohn, Anteil Versicherungen, Anteil Krankengeld, Urlaub etc.) sowie die nichtbezahlte Mehrarbeit für das anwesende Personal. Da kommt ein ordentliches Sümmchen zusammen.

Und ich bin mir sicher, es hat Methode. Die Konzentration zu Großeinrichtungen mit 20 und mehr Häusern nimmt rasant zu. Hier lässt es sich offensichtlich sehr gut und fast risikolos verdienen. Indirekt helfen Heimaufsicht und Medizinischer Dienst (MdK) dabei mit.

Dem müssen die Beschäftigten und die Bewohner in den Heimen etwas entgegensetzen. Ja, es gibt die Heimaufsicht und es gibt den MdK, beide sind originär für das Wohl der Bewohner zuständig. Nur sind sie zahnlose Tiger, wie die Vergangenheit immer wieder gezeigt hat. Beide sollen sich eigentlich um die Interessen der Bewohner kümmern, sind in der Regel aber nur einmal pro Jahr in den Heimen – zu einer Besichtigung. Und was sehen sie da? Sehr oft potemkinsche Dörfer, denn sonst könnten bei der Heimbewertung nicht so viele Bestergebnisse herauskommen.

Nur die Menschen, die die tägliche Pflegemisere vor Augen haben, sind wirklich in der Lage, langfristig Verbesserungen für alle zu erreichen. Sie müssen aber dazu auch die Möglichkeiten haben. Eine Pflegekammer würde helfen. Wichtig ist aber auch eine Stärkung in der Mitwirkung der Heimbeiräte (Bewohnervertreter). Leider sind sie zurzeit in vielen Fällen reine Kaffeekränzchen, weil ein Vertreter der Geschäftsführung die Sitzung leitet und auch noch die Sitzungsprotokolle schreibt, die anstandslos vom Heimbeiratsvorsitzenden unterschrieben werden.

Meine langjährige Erfahrung als Heimbeiratsmitglied ist: Es wird keine nachhaltige Verbesserung in den Heimen geben, wenn nicht alle Gruppen in den Pflegeheimen erheblich mehr Mitwirkung erhalten, die auch gesetzlich verankert sein muss. Das gilt für das Personal und die Bewohner, für die sich verantwortlich fühlenden Angehörigen und – das besonders – für die Heimbeiräte. All diese Menschen sind fast täglich in den Heimen und kennen die Lage.

MdK und Heimaufsicht dagegen sind in der Regel nur an einem Tag im Jahr für wenige Stunden anwesend. Und ausgerechnet sie sollen verbindlich die Qualität eines Heimes beurteilen können?

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+