Hamburg

Prozess um „Neger“ und „Nutte“ eingestellt

Hamburg (enz). Ein farbiger Junge beschimpft eine Rentnerin auf offener Straße als „Nutte“, diese beleidigt den Elfjährigen als „Neger“ und muss dafür vor Gericht. Der Fall sorgte im Frühjahr über Hamburg hinaus für Aufsehen, doch jetzt hat ein Richter die damals verhängte Geldstrafe gegen die 78-Jährige aufgehoben.
25.07.2015, 00:00
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Von Markus Lorenz

Ein farbiger Junge beschimpft eine Rentnerin auf offener Straße als „Nutte“, diese beleidigt den Elfjährigen als „Neger“ und muss dafür vor Gericht. Der Fall sorgte im Frühjahr über Hamburg hinaus für Aufsehen, doch jetzt hat ein Richter die damals verhängte Geldstrafe gegen die 78-Jährige aufgehoben. Das Landgericht stellte das Verfahren in der Berufung wegen Geringfügigkeit ein. Zuvor hatte das Amtsgericht die Frau wegen Beleidigung zur Zahlung von 100 Euro verurteilt. Für Erstaunen sorgte damals, dass die Richterin den Ausdruck „Neger“ für schwerwiegender hielt als „Nutte“. Nicht nur die Verteidigung, auch die Staatsanwaltschaft hatte auf Freispruch plädiert.

Die 78-Jährige legte Rechtsmittel ein und hatte nun vor dem Landgericht Erfolg. Alle Prozessbeteiligten stimmten der Einstellung zu. Allerdings müsse seine Mandantin die Kosten für die Verteidigung selbst tragen, sagte Rechtsanwalt Stefan Lanwer. Er berichtet von einer rührenden Szene zum Abschluss der Berufungsverhandlung. „Die Mutter des Jungen sagte aus, dass der ganze Prozess unnötig gewesen sei und sie die Aufbereitung durch die Justiz nicht verstehen könne. Dann umarmte sie meine Mandantin beim Verlassen des Gerichtssaals.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+