Raketen aus dem Kaspischen Meer

Meine Damen und Herren, wir müssen leider 15 Minuten über Kurdistan kreisen, bevor wir landen können“, verkündet der Pilot des Turkish-Airlines-Fluges von Istanbul in die Kurdenmetropole Erbil im Nordirak. „Es sind militärische Operationen im Gange.
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Raketen aus dem Kaspischen Meer
Von Birgit Svensson

Meine Damen und Herren, wir müssen leider 15 Minuten über Kurdistan kreisen, bevor wir landen können“, verkündet der Pilot des Turkish-Airlines-Fluges von Istanbul in die Kurdenmetropole Erbil im Nordirak. „Es sind militärische Operationen im Gange.“ Zwei Tage später wird der Flughafen gänzlich geschlossen. Kein Flugzeug kommt rein, keines fliegt raus. Stattdessen fliegt die russische Armee verstärkt Luftangriffe im Grenzgebiet zwischen Syrien und dem Irak. Die Marschflugkörper, die Moskau dabei einsetzt, könnten eine Bedrohung für die zivile Luftfahrt sein. Das Risiko ist hoch, dass eine russische Rakete mit einem Flugzeug kollidiert.

Die Attacken der Russen sind die bislang heftigsten Luftangriffe im Osten Syriens seit dem Beginn des Bürgerkrieges 2011. Sie richten sich gegen mehrere Städte und drei Ölfelder in Deir az Zur, unweit der irakischen Grenze. Die ölreiche Provinz wird zu großen Teilen vom IS kontrolliert. Die Regierungstruppen von Bashar al-Assad kontrollieren dort nur kleinere Gebiete und einen Militärflughafen.

Heftige Gefechte am Flughafen

Rund um den Flughafen sollen sich IS-Kämpfer und Soldaten derzeit heftige Gefechte liefern, informiert die Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London. Sie beruft sich dabei auf ihr Aktivistennetzwerk in Syrien. Aus russischen und syrischen Quellen verlautet, man habe bereits 50 Ziele des IS in Deir az Zur zerstört. Bis zu 70 Einsätze würden täglich geflogen. Die Provinz liegt zwischen dem vom IS als Hauptstadt ausgewiesenen Rakka und den Gebieten im Irak, die ebenfalls vom IS kontrolliert werden.

Nach russischen Angaben werden die Ziele in Deir az Zur mit Marschflugkörpern angegriffen, die die Armee von Kriegsschiffen im Kaspischen Meer abfeuert. Ihre Flugbahn verläuft auch über Erbil. Militärexperten vermuten, dass dabei Raketen des Typs Kh-101 eingesetzt werden. Diese seien die stärksten weltweit. Angeblich wurde die Waffe erstmals am 18. November eingesetzt. Sie soll sehr genau sein: Bei Tests sei festgestellt worden, dass die Abweichung vom Ziel maximal zehn Meter beträgt, heißt es in russischen Online-Medien.

Hohe Präzision

Wie der russische TV-Sender „Swesda“ in seiner Onlineausgabe berichtet, ist die Kh-101-Rakete in der Lage, in einer Höhe bis zu 6000 Metern zu fliegen. Ein optisch-elektronisches Lenksystem hilft ihr dabei, die Flugbahn zu korrigieren. Die Waffe hat auch einen Empfänger für Signale des russischen Navigationsnetzes GLONASS. All dies ermögliche eine sehr hohe Präzision.

Wie der russische Militärexperte Igor Korotschenko sagt, habe diese Rakete eine große Reichweite und könne bis zu 5000 Kilometer weit fliegen. Gegen Ziele in Syrien könne sie bei Bedarf vom russischen Luftraum aus abgefeuert werden. Der Experte hält es für hochwahrscheinlich, dass die Kh-101 derzeit tatsächlich im Kampf gegen die Dschihadisten zum Einsatz kommt. Gleichwohl reiche die Zahl der Angriffe nicht aus, um den IS zu besiegen, ließ der russische Präsident Wladimir Putin gestern verlauten.

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