Kommentar über Sprachgerechtigkeit

Richtige Entscheidung

Der Rat für deutsche Rechtschreibung ist dagegen, das Sternchen als Regel zu empfehlen. Er will weiter beobachten, was sich im Sprachgebrauch etabliert. Das ist richtig, schreibt Iris Hetscher.
16.11.2018, 21:02
Lesedauer: 1 Min
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Richtige Entscheidung
Von Iris Hetscher
Richtige Entscheidung

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat sich dagegen ausgesprochen, das Sternchen als Regel zu empfehlen.

Friso Gentsch/dpa

Der Ton in der Debatte, wie Sprache Realität spiegeln muss, ist in den vergangenen Jahren schärfer geworden. Zwei Auffassungen stehen sich unversöhnlich gegenüber, beide sind ideologisch bis zum Platzen aufgeladen. Da gibt es diejenigen, die alles beim Alten lassen wollen. Sie haben gute Argumente. Sprache ist ein Abstraktum und daher allgemein; sie kann unmöglich allen Anforderungen nach Konkretion gerecht werden, Männer, Frauen, Trans- und Interpersonen begrifflich zeigen, gleichzeitig alltagstauglich und auch noch ästhetisch sein.

Die anderen möchten Gleichberechtigung nicht nur im Alltag, sondern auch in der Sprache. Sie haben ebenfalls gewichtige Argumente. Sprache beeinflusst das Denken; sie war und ist immer auch Machtinstrument. Entscheidungen zweier Verfassungsgerichte haben diese Sichtweise gestützt: Menschen, die sich weder dem einen noch dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen, müssen angemessen schriftlich bezeichnet werden. Doch wie? Mit Sternchen, Gendergap, einem „x“ am Ende?

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat sich nun dagegen ausgesprochen, das Sternchen als Regel zu empfehlen. Er steht damit stellvertretend für die gewisse Ratlosigkeit, die sich inzwischen bei allen breitgemacht hat, die keinem der beiden Lager angehören. Von daher ist keine Entscheidung in diesem Fall die richtige. Der Rat will in Zukunft weiter beobachten, was sich im Sprachgebrauch etabliert. Diese entspannte Sichtweise sollte auch die weitere Debatte prägen.

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