Simbabwes Diktator

Robert Mugabe wird 92 - und feiert im Hungerstaat

92 Jahre wird Simbabwes Diktator Robert Mugabe an diesem Sonntag alt. Eine Party für 800.000 Dollar ist geplant. Derweil ist das Land von hoher Arbeitslosigkeit sowie einer Hungerkatastrophe geplagt.
21.02.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Markus Schönherr
Robert Mugabe wird 92 - und feiert im Hungerstaat

Hat eigentlich wenig Grund zu feiern: Simbabwes Machthaber Robert Mugabe wird 92.

dpa

92 Jahre wird Simbabwes Diktator Robert Mugabe an diesem Sonntag alt. Eine Party für 800.000 Dollar ist geplant. Derweil ist das Land von hoher Arbeitslosigkeit sowie einer Hungerkatastrophe geplagt.

Während Tansania seinen großen Reformbringer John Magufuli und dessen ersten 100 Tagen im Amt bejubelt, vegetiert das etwas weiter südlich gelegene Simbabwe unter seinem Langzeit-Regenten Robert Mugabe. Eine hausgemachte Wirtschaftskrise, hohe Arbeitslosigkeit und eine aufziehende Hungerkatastrophe scheinen den seit 1980 amtierenden Präsidenten kaum zu kümmern. An diesem Sonntag feiert er seinen 92. Geburtstag. 800.000 US-Dollar soll die pompöse Zeremonie kosten.

„Die Zanu-PF sollte sich schämen, eine so teure Party für ihren greisen Anführer zu schmeißen, während 90 Prozent der Simbabwer in zermürbender Armut fristen“, kritisierte der Sprecher der Oppositionspartei MDC, Obert Gutu, die Feier. Seit knapp zehn Jahren befindet sich Simbabwe in einer Finanzkrise, die dank der Einführung des US-Dollars als Zahlungsmittel etwas entschärft wurde. In Krankenhäusern fehlt es an Ärzten und Medikamenten. Lehrer und Beamte warten mitunter zwei Monate auf ihren Lohn. Der Notstand zwang in den letzten Jahren Tausende Simbabwer, nach neuen Perspektiven im Ausland, vor allem in Südafrika, zu suchen.

Ein Viertel der Bevölkerung ist von Hunger bedroht

Mugabes Geburtstagsfeier soll nun in der Dürre-Provinz Masvingo stattfinden. In der Region gehen die Bewohner seit Wochen hungrig zu Bett. „Die am schlimmsten betroffenen Familien ernähren sich von Baumwurzeln und verkaufen ihr Vieh, um zu überleben“, berichtete die Zeitung „New Zimbabwe“. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung ist von Hunger bedroht. Mugabe rief deshalb vor zwei Wochen den nationalen Notstand aus. Nicht zuletzt deshalb sei die rauschende Party laut MDC ein „Schlag ins Gesicht des Volkes“.

Seit 36 Jahren steht Mugabe an der Spitze des Landes. Unterstützer feiern ihn bis heute als Befreier und bewundern ihn für seine afrikanisch-nationalistische Agenda. „Wir alle sind aus dem Kampf unserer Vorfahren heraus geboren“, erinnerte er die Vollversammlung der Afrikanischen Union (AU) im vergangenen Monat. Einem peinlich berührten UN-Generalsekretär Ban Ki Moon drohte er mit einem Austritt aus dem Staatenbund: Die Vereinten Nationen hätten Afrikas Forderung nach mehr Mitsprache kategorisch ignoriert.

Opposition: "Mugabe soll sich ein Beispiel an Tansania nehmen"

„Von Mugabe zu erwarten, das Vernünftige zu tun, das wäre als suche man Fische auf Bäumen“, meint Jacob Mafume von der oppositionellen PDP. Unterdessen wurden in der Provinz Masvingo alle Lehrer verpflichtet, einen Teil ihres Gehalts für Mugabes Feierlichkeiten beizusteuern. Takavafira Zhou, Präsident der Progressiven Lehrergewerkschaft (PTUZ) rief Mugabe auf, sich ein Beispiel an Tansanias Präsidenten zu nehmen.

„Er sollte Nachhilfe bei John Magufuli nehmen, sodass wir wieder Geld für Nahrungsmittel, die Gehälter der Beamten und den Gesundheitssektor haben.“ In seinen ersten 100 Amtstagen boxte Tansanias Präsident Dutzende Reformen durch, vor denen seine Vorgänger bisher zurückschreckten. Seinen Ministern strich er teure Dienstreisen. Auch die Parlamentseröffnung und seine eigene Amtseinführung mussten ohne feierliche Zeremonie auskommen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+