Zeitzeichen Sabbel-Zone

Die Talkshows im Fernsehen sind eine einzige Sabbelei. Kann Kühnert SPD-Chef, kann AKK Kanzlerin oder Habeck? Es wird immer das gleiche diskutiert, findet unser Autor.
23.06.2019, 11:38
Lesedauer: 2 Min
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Von Dietrich Eickmeier

Die politische Woche begann im öffentlich-rechtlichen TV wie gewohnt: „Schaffen Union und SPD das noch?“ fragte Anne Will. 14 Tage zuvor hieß es bei ihr noch „Wie geht es weiter mit der GroKo?“ Die Große Koalition war auch bei Maybritt Illner Dauerthema: „Das GroKo-Desaster – falsche Themen, falsche Antworten?“ oder „GroKo in der Sackgasse – letzte Ausfahrt Neuwahl?“ und „SPD kopflos, CDU planlos – GroKo grün vor Neid?“ Sandra Maischberger fragte ob die „Regierung am Ende“ sei und auch Frank Plasberg wollte wissen, „was die Regierung noch schafft“. Auch die Antworten der Talkshow-Gäste, ob Kevin Kühnert SPD-Chef kann oder Annegret Kramp-Karrenbauer Kanzlerin, ließen die Zuschauer ziemlich ratlos zurück. Nichts Genaues weiß man halt nicht.

Es ist nicht die erste Phase anödender Themen-Monotonie in den Talkshows, die schon manches anspruchsvolle TV-Format verdrängt haben. Die Aufforderung von Olaf Zimmermann vom Deutschen Kulturrat vor Jahresfrist, mal ein Jahr Pause zu machen, um „ihre Konzeptionen zu überarbeiten“, ist wirkungslos verhallt. Da hatten mehr als 100 Talkshows in ARD und ZDF seit 2015 das Thema Flüchtlinge und Islam behandelt und „geholfen, die AfD bundestagsfähig zu machen“, so Zimmermann.

Dass AfD-Politiker wie Beatrix von Storch mit extremen Äußerungen in Talkshows eine Bühne bekamen, dass Wolfgang Bosbach (als Dauergast von Robert Habeck abgelöst) zum Anti-Merkel aufstieg, ist auch nur dem Schielen auf Schlagzeilen und Quote geschuldet. „Meine Erfahrung als Gast diverser Talkshows ist, dass diese die Debatte im Land massiv beeinflussen“, sagt Christoph Lauer im Rückblick auf den Hype um seine Piratenpartei, als die 2011/12 in Umfragen zwischen zehn und 13 Prozent lag. Lauer meint: „Das lag weniger an Inhalten als an der unglaublich positiven Dauerberichterstattung der Medien, auch der Talkshows.“

Nun denkt die ARD gar an eine Ausweitung der Sabbel-Zone. Ab Herbst sollen im „Talk am Dienstag“ die „NDR Talk Show“, Bremens „3nach9“, der „Kölner Treff“, und ein neuer Talk des RBB zu später Stunde ins Erste wechseln und für „eine heiterere Grundstimmung“ sorgen. Die Überleitung macht gerade Sandra Maischberger mit ihrem Sommer-Talk „Die Woche“. Da geht es um Gewinner und Verlierer der Woche und – wen wundert’s – auch darum, ob AKK Kanzlerin kann oder der Robert und der Kevin, na ja nicht gleich Kanzler, aber doch wenigstens Parteichef. „Diese Sendung könnte auch beim Friseur ausliegen“, schreibt der „Spiegel“. Aber wir wissen nun, dass am 27. September Bundestagswahl ist. Gabor Steingart, der bei „Spiegel“ und „Handelsblatt“ schon mal bessere journalistische Tage hatte, weiß das „aus der Spitze der CDU" und hat es bei Maischberger erzählt. Wetten dass nicht?

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