Verschollenes Flugzeug: Maschine flog nach letztem Radarkontakt stundenlang weiter Sabotage statt Unfall

Eine Woche lang gingen die Behörden bei der Suche nach dem verschollenen Flug MH370 überwiegend von einem zufälligen Absturz aus. Nun häufen sich die Hinweise auf eine Entführung der Maschine – womöglich mit islamistischem Hintergrund.
16.03.2014, 00:00
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Sabotage statt Unfall
Von Felix Lee

Eine Woche lang gingen die Behörden bei der Suche nach dem verschollenen Flug MH370 überwiegend von einem zufälligen Absturz aus. Nun häufen sich die Hinweise auf eine Entführung der Maschine – womöglich mit islamistischem Hintergrund.

Es ist ein Rätsel sondergleichen. Mehr als eine Woche lang wird eine Boeing 777-200 der Malaysia Airlines mit 239 Menschen an Bord im Südchinesischen Meer vermutet. Zwölf Länder beteiligten sich mit insgesamt mehr als 40 Schiffen und 60 Militärflugzeugen an der Suchaktion. Eine Entführung hatten die malaysischen Behörden zwar nicht völlig ausgeschlossen. Sie konzentrierten ihre Ermittlungen aber stets auf einen möglichen Absturz irgendwo im Meer und gingen von technischem Versagen aus.

Doch nun das: Gestern tritt Malaysias Ministerpräsident Najib Razak vor die Presse und verkündet: Das Passagierflugzeug sei „von jemandem an Bord“ bewusst umgelenkt worden und noch bis zu sieben Stunden lang weitergeflogen. Profis hätten die Kommunikationssysteme höchstwahrscheinlich manuell und nacheinander abgeschaltet. Der malaysische Regierungschef sprach von „einem vorsätzlichen Akt“.

Zudem hätten sich Berichte US-amerikanischer Medien erhärtet. Sie verweisen seit Tagen darauf, dass letzte Funksignale auch mehr als sechseinhalb Stunden nach dem Verschwinden der Maschine empfangen worden sind und die Maschine in eine ganz andere Richtung geflogen ist als bislang vermutet. Ein ranghoher malaysischer Militär bestätigte den Kurswechsel. Die ausgewerteten Radardaten hätten ergeben, das Flugzeug habe seinen Kurs radikal geändert und sei in Richtung Indischer Ozean geflogen. Er geht davon aus, dass ein erfahrener Pilot „bewusst zivile Radargeräte umgangen“ habe.

Über mögliche Hintergründe ist aber auch weiterhin nichts bekannt, ebenso wenig wie über den Verbleib der Maschine. Polizisten durchsuchten gestern das Haus des 53 Jahre alten Piloten Zaharie Ahmad Shah in Kuala Lumpur. „Die Beamten haben nach Material gesucht, das bei der Suche nach dem vermissten Flugzeug helfen könnte“, sagte ein Polizist. Ob etwas gefunden oder mitgenommen wurde, teilte er nicht mit.

Der Flug MH370 war kurz nach Mitternacht am frühen Morgen des 8. März in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur gestartet und sollte rund sechseinhalb Stunden später um 6.30 Uhr Ortszeit in Peking landen. Nach etwa anderthalb Stunden Flug verschwand der Flieger von den Radarbildschirmen. Die Behörden in Malaysia, Vietnam und China hatten ihre Suche bislang auf diese Region konzentriert und im Laufe der Woche den Radius der möglichen Absturzstelle stetig ausgeweitet.

Zwar würden auch weiterhin „alle Möglichkeiten“ untersucht, versicherte Regierungschef Najib gestern. Eine Entführung sei aber wieder wahrscheinlicher geworden. Er habe bereits veranlasst, dass die bisherige Suche im Südchinesischen Meer eingestellt und nun beraten werde, die Aktionen in den Indischen Ozean zu verlagern.

Luftfahrtexperten gehen davon aus, dass im Tank der Maschine Treibstoff für einen achtstündigen Flug vorhanden war. Mit den neuen Erkenntnissen erstreckt sich die Suche auf einen Radius, der zwischen Westaustralien bis hinauf nach Nordwestindien reicht. Sie halten vor allem zwei Flugkorridore für möglich. Die eine Route führt über Nordthailand bis nach Kasachstan, Turkmenistan und an die Grenze des Irans. Die zweite geht in südlicher Richtung von Indonesien in den Indischen Ozean. In beiden Fällen würde sich der Verdacht aufdrängen, dass islamistische Kreise hinter einer möglichen Entführung stehen könnten.

In China schrillen bereits die Alarmglocken. Die chinesische Führung behauptet seit Jahren, auch die Volksrepublik stehe im Visier eines internationalen Terrornetzwerks. Hintergrund sind die seit Jahrzehnten andauernden Konflikte mit Uiguren, einer muslimischen Volksgruppe im Nordwesten Chinas. Erst vor zwei Wochen haben acht Uiguren in der südwestchinesischen Stadt Kunming mit Messern einen Anschlag verübt und 29 Passanten getötet.

Kommentatoren im chinesischen Staatsfernsehen forderten gestern eine landesweite Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen auf den Flughäfen. Unter den 226 Fluggästen der verschollenen Maschine waren 151 Chinesen.

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