Neues Bündnis geschmiedet Sammeln für die Seenotrettung

Mit einem eigenen Schiff will ein neues Bündnis aus Evangelischer Kirche, Kommunen und Vereinen Sea-Watch-Seenotretter auf das Mittelmeer schicken, um Flüchtlinge zu retten.
03.12.2019, 18:59
Lesedauer: 2 Min
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Von Benjamin Lassiwe

Hamburg. „Die Lage hat sich zugespitzt, viele Personen sind unterernährt, dehydriert, sie kippen reihenweise um.“ Die Bilder vom Rettungsschiff „Alan Kurdi“, das mit 61 geretteten Migranten an Bord im Mittelmeer kreuzt, waren wackelig. Was die Helfer auf dem Schiff zu erzählen hatten, war aber dramatisch. „Unser medizinisches Team ist 24/7 im Einsatz, aber Stand jetzt haben wir keine Aussicht auf einen sicheren Hafen.“

Mit einer Liveschaltung zu den zivilen Seenotrettern der „Alan Kurdi“ startete das neu gegründete Aktionsbündnis United4Rescue am Dienstag an Bord der Hamburger Flussschifferkirche die Spendensammlung für ein weiteres Rettungsschiff im Mittelmeer. Hintergrund ist eine Resolution, in der Besucher des Evangelischen Kirchentags im Juni in Dortmund, darunter der Europaabgeordnete Sven Giegold (Bündnis 90/Die Grünen), die Evangelische Kirche aufforderten, die Flotte der zivilen Seenotretter zu verstärken.

Mit Hilfe des Bündnisses sollen zunächst Spenden gesammelt werden. Dann will man nach Möglichkeit das dem Land Schleswig-­Holstein gehörende Forschungsschiff „Poseidon“ kaufen, das derzeit im Bieterverfahren verkauft wird. „Für uns als Kirchen muss klar sein: Wenn Menschen in Not und insbesondere in Lebensgefahr sind, dann muss geholfen werden“, sagte der Ratsvorsitzende der EKD, Bayerns Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Mit dem Rettungsschiff wolle man ein politisches Signal setzen: „Es soll die Verantwortlichen Europas in die Pflicht nehmen, das Sterben im Mittelmeer zu beenden.“

Bedford-Strohm forderte zudem dazu auf, die Seenotrettung im Mittelmeer nicht gegen Entwicklungshilfe in Afrika und anderen Ländern auszuspielen. „Unser Engagement ist Teil einer diakonischen Gesamtstrategie, die alle Stadien und Punkte einschließt, an denen Menschen in Not sind.“ Zu den Unterstützern des Bündnisses zählen auch Ärzte ohne Grenzen, Pro Asyl und die Deutsche Seemannsmission. Aus Bremen gehört die Jugendkirche Garten Eden 2.0 zu den Gründungsmitgliedern des Projekts. Und die oldenburgische Landeskirche stellte bereits vor zwei Wochen 20 000 Euro zur Verfügung. Bedford-Strohm sprach sich allerdings dagegen aus, Kirchensteuermittel für das Bündnis zu verwenden. Die Spendenbereitschaft sei so hoch, dass dies nicht nötig sei.

Hamburgs Zweite Bürgermeisterin, Katharina Fegebank (Bündnis 90/Die Grünen), erklärte, man unterstütze das neue Bündnis ausdrücklich. „Menschen zu retten, liegt in unserer DNA verankert“, sagte sie. Die Bürgermeisterin sprach sich zudem für Neuregelungen aus, die es Kommunen erlauben, auch ohne Zustimmung des Bundesinnenministeriums Flüchtlinge aufzunehmen. Im Moment seien der Stadt noch „die Hände gebunden“.

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