US-Vorwahlkampf Sanders kontert alle Attacken

Bernie Sanders liegt im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten gegen Amtsinhaber Donald Trump vorne. Nun nehmen den linken Senator seine demokratischen Mitbewerber ins Visier.
26.02.2020, 18:29
Lesedauer: 3 Min
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Sanders kontert alle Attacken
Von Thomas Spang

Nacheinander nahmen die fünf Konkurrenten von Bernie Sanders um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten den bisherigen Spitzenreiter ins Visier. Den Auftakt machte Michael Bloomberg, der Sanders vorhielt, Putins Wunschkandidat zu sein. „Russland hilft ihnen, gewählt zu werden“, zitierte er Erkenntnisse der US-Geheimdienste. Demnach versucht Russland, zugunsten Donald Trumps und Sanders bei den Präsidentschaftswahlen 2020 zu intervenieren. Sanders war auf diesen Angriff vorbereitet. „Hey Mister Putin“, konterte der 77-jährige Linkskandidat, den Blick direkt in die Kamera gerichtet. „Wenn ich Präsident der Vereinigten Staaten bin, verlassen Sie sich darauf, werden Sie sich nicht mehr in amerikanische Wahlen einmischen.“

Als Nächster versuchte es Joe Biden. Der ehemalige US-Vizepräsident zielte auf eine Achillesferse des linken Senators aus Vermont, der aus Rücksicht auf seine ländliche Klientel vor langer Zeit einmal im Kongress gegen schärfere Waffengesetze gestimmt hatte. Das nahm Joe Biden zum Anlass, Sanders frontal anzugreifen. Biden hielt ihm vor, für den Tod von neun afroamerikanischen Mitgliedern einer Kirchengemeinde mitverantwortlich zu sein. Der Anschlag eines weißen Rechtsterroristen 2015 wäre nicht möglich gewesen, hätte der Senator strengeren Waffengesetzen zugestimmt.

Tiefschläge und Undiszipliniertheiten

Ein Raunen ging durch das Publikum – wie häufiger an diesem Debatten-Abend, der von Tiefschlägen, Undiszipliniertheit und gegenseitigen Unterbrechungen der Kandidaten geprägt war. Die Moderatoren wirkten überfordert, würgten die Diskussion an falschen Stellen ab und erlaubten Regelverstöße. Sanders reagierte gelassen auf den Angriff Bidens, für den es in South Carolina um alles geht. Unter den „Tausenden Stimmen“, die er in seiner politischen Karriere abgegeben hatte, seien „auch ein paar schlechte“ gewesen. Er habe gelernt und stehe heute ganz unten im Ranking der Waffenlobby NRA.

Ähnlich souverän bügelte Sanders den Versuch ab, ihm Sympathien für den ehemaligen Diktator Kubas, Fidel Castro, zu unterstellen. Diesmal war es der Ex-Bürgermeister von South Bend im US-Bundesstaat Indiana, Pete Buttigieg, der Sanders angriff. "Ich freue mich nicht auf ein Szenario, mit Donald Trumps Nostalgie für die soziale Ordnung der 50er-Jahre und Bernie Sanders, der die revolutionäre Politik der 60er-Jahre beschwört.” Auch diese Attacke prallte an dem Teflon-Kandidaten ab. Er wisse nicht, was daran auszusetzen sei, dass er das Alphabetisierungsprogramm auf Kuba gelobt habe.

Teflon-Kandidat

Elizabeth Warren, die mit Sanders um den progressiven Flügel konkurriert, versuchte es auf der persönlichen Ebene. „Ich wäre die bessere Präsidentin als Bernie“, betonte die Senatorin, die ihre schärfsten Angriffe aber erneut für Bloomberg aufhob. Sie hielt dem Milliardär vor, eine Frau in seinem Unternehmen zu einer Abtreibung gedrängt zu haben. Ein Vorwurf, dem der ehemalige Bürgermeister von New York entschieden widersprach.

Die Debatte franste endgültig aus, als der liberale Milliardär Tom Steyer, der in einigen Umfragen in South Carolina auf dem zweiten Platz rangiert, Biden attackierte. Dieser habe in den 90er-Jahren eine Strafrechtsreform unterstützt, die Hunderttausende schwarze Männer hinter Gittern gebracht habe. Der ehemalige Vizepräsident unter Barack Obama seinerseits teilte gegen alle Seiten aus. Auf die Frage, ob er aus dem Rennen ausscheiden werde, wenn er abermals schlechter als erwartet abschneide, erklärte Biden: „Ich werde gewinnen.“

Erfahrene Analysten wie Dan Balz stellten fest, dass diese Debatte für den Spitzenreiter nichts geändert hat. Vielmehr habe sie gezeigt, „wie sehr Sanders sich von dem Feld abgesetzt hat, in dem die anderen Kandidaten gespalten sind“. Es kristallisiere sich weder ein „Anti-Sanders“ heraus, der die moderaten Stimmen hinter sich bringen könnte, noch mache der Spitzenreiter selber einen Fehler. Die Vorwahlen ziehen sich noch bis zum Juni hin.

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