Verkehrsministerium legt Entwurf der neuen Sicherheitsrichtlinie vor / Kritiker sehen historische Segler in Gefahr Schärfere Vorgaben für Traditionsschiffe

Bremen. Für Traditionsschiffe sollen in Zukunft die gleichen Vorgaben gelten wie für die Personenschifffahrt. So steht es im Entwurf einer neuen Sicherheitsrichtlinie, die das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) kürzlich veröffentlicht hat.
16.09.2016, 00:00
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Von Ulf Buschmann

Bremen. Für Traditionsschiffe sollen in Zukunft die gleichen Vorgaben gelten wie für die Personenschifffahrt. So steht es im Entwurf einer neuen Sicherheitsrichtlinie, die das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) kürzlich veröffentlicht hat. Ihr offizieller Name lautet „Vorschriften über Bau und Ausrüstung von Traditionsschiffen“. Die Reaktionen aus der Traditionsschiff-Szene in Norddeutschland darauf sind unterschiedlich: von ablehnend über abwartend bis zustimmend. Über die Absicht des Ministeriums informieren der Verein „Museumshaven Vegesack“ und die Gemeinsame Kommission für historische Wasserfahrzeuge (GSHW) Ende September.

Traditionsschiffe sind eine nationale Besonderheit. Deshalb unterliegen sie einer besonderen Vorschrift: der Sicherheitsrichtlinie für Traditionsschiffe. Zurzeit gilt noch die Fassung von 2003. Darin steht unter anderem, dass Schiffe hauptsächlich mit den Originalwerkstoffen oder als Einzelnachbildung gebaut sein müssen (Historizität), dass die Rumpflänge 15 bis 55 Meter beträgt, das jeweilige Schiff ausschließlich zu ideellen Zwecken fährt beziehungsweise der maritimen Traditionspflege sowie sozialen oder vergleichbaren Zwecken dient und als Seeschiff eingesetzt wird.

Allerdings hat es immer wieder Verstöße dagegen und entsprechend harte Urteile der Seegerichte gegeben. Deshalb verhandeln die Vertreter von GSHW, BG Verkehr und Ministerium seit mehreren Jahren über die neue Rechtsvorschrift, die als Verordnung am 1. Januar 2017 in Kraft treten soll. Dies zumindest stellt sich das Ministerium vor.

Danach kommen auf die ehrenamtlichen Besatzungsmitglieder Vorgaben wie in der Berufsschifffahrt zu. Hierzu zählen unter anderem der Nachweis der Seediensttauglichkeit, die Ausbildung zum Tragen von Pressluftatmern zur Bekämpfung eines Brandes an Bord sowie die Ausbildung und regelmäßige Schulung zur Versorgung von Verletzten, wie sie in der Maritime-Medizin-Verordnung geregelt ist. Auch die Regeln bei den baulichen Voraussetzungen sollen strikter werden. Dazu zählen etwa die Festlegung der Relingshöhen, die wasserdichte Unterteilung jedes Schiffes mit Schotten und die Ausrüstung mit dem elektronischen Schiffserkennungssystem AIS.

Dagegen hat so etwas wie ein kleiner Sturmlauf in der Szene eingesetzt. Insbesondere die Vertreter der GSHW und ihrer Mitglieder prophezeien schon jetzt, dass mit dieser neuen Verordnung die Traditionsschifffahrt an der deutschen Küste in einigen Jahren tot sein werde. Ihre Argumente: Die meist ehrenamtlichen Mitglieder der Traditionsschiffe könnten die Vorgaben nicht erfüllen, zumal die Besatzung häufig wöchentlich wechsele.

Hinzu komme, dass die Schiffe mit der Umsetzung der gewünschten baulichen Anforderungen automatisch aus der Kategorie Traditionsschiff herausfallen. Damit sei die von der Richtlinie vorgegebene Historizität nicht mehr gegeben. Als kritisch wird auch die vorgesehene Prüfung wahrgenommen. Sie obliegt nicht mehr der GSHW, sondern einem Sachverständigen oder den zuständigen Denkmalschutzbehörden eines jeden Bundeslandes.

Zu großen maritimen Veranstaltungen wie der Sail in Bremerhaven, der Hanse-Sail in Rostock, der Kieler Woche und nicht zuletzt zum Hamburger Hafengeburtstag kämen zwar noch historische Schiffe – nur fahren sie dann eben nicht mehr unter deutscher Flagge, befürchtet ein Teil der Kritiker. Davon gibt es eine ganze Reihe entlang der Nord- und Osteeküste. Zu ihnen gehört Rolf Noll, Vorsitzender des Vereins „Museumshaven Vegesack“. Er sieht in der Stärkung der Stellung der BG Verkehr einen „Interessenkonflikt“ mit der Berufsschifffahrt. Ablehnung kommt auch von der Schiffergilde Bremerhaven. Dort läuft die „Astarte“ mit einer Traditionsschiff-Zulassung. „Wir haben größte Bedenken“, sagt Sprecher Rainer Krampitz. Er sieht vor allem bei der Bewertung der Historizität Probleme. Dies müsse von Fachleuten und am Ende nicht von der BG Verkehr bewertet werden.

Andere halten sich bedeckt, so wie die Stiftung Hamburg Maritim. „Wir möchten konstruktiv nach vorne schauen“, sagt Projektleiter Alexandre Poirier. Man müsse abwarten, welche Veränderungen gut und welche schlecht sind. Völlig auf Kurs ist hingegen der Verein Museumhafen Övelgönne. „Der Entwurf deckt die Anforderungen an Traditionsschiffe ab“, schreibt er in einer Stellungnahme. „Wir gehen davon aus, dass eine Umsetzung der neuen Sicherheitsrichtlinie, zu einer weiteren Verbesserung der Sicherheit auf allen Traditionsschiffen unter deutscher Flagge beitragen wird.“ Das Bundesverkehrsministerium äußerte sich nicht zu den Plänen.

Die Informationsveranstaltung des Vereins Museumshaven Vegesack und der GSHW finden am Mittwoch, 28. September, 19 Uhr, im „Thiele-Speicher“, Alte Hafenstraße 44, statt.
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