In Florida fällt die Vorentscheidung der US-Republikaner Schicksalstag im Sonnenstaat

Sarasota. Maryellen Kirkwood hat die Broschüren, Flugblätter und Aufkleber auf ihrem Tisch mit Steinen beschwert. Den lebensgroßen Donald Trump in Pappe neben ihr musste sie mit einem Seil an einem Lichtmast befestigen.
14.03.2016, 00:00
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Von DPA

Maryellen Kirkwood hat die Broschüren, Flugblätter und Aufkleber auf ihrem Tisch mit Steinen beschwert. Den lebensgroßen Donald Trump in Pappe neben ihr musste sie mit einem Seil an einem Lichtmast befestigen. Es ist stürmisch in Sarasota am Golf von Mexiko wenige Tage vor der möglicherweise vorentscheidenden Präsidentschaftsvorwahl der Republikaner in Florida. Und wer trommelt für Marco Rubio? Fehlanzeige. „Sie kommen meistens nur kurz am Morgen, stellen ein Plakat auf“, sagt Kirkwood. „Dann sind sie wieder verschwunden.“

Es ist symptomatisch. Für Rubio, den 44-jährigen Senator aus Florida, geht es bei den Vorwahlen am Dienstag um Alles. Verliert er gegen Trump, muss er einpacken, unweigerlich – und hat womöglich entscheidend dazu beigetragen, dem Populisten Trump den Weg zur Spitzenkandidatur zu ebnen. Ein wirklich politischer Schicksalstag also. Trotzdem sieht es nicht danach aus, als würde sich sein Wahlkampflager nun die Beine ausreißen, um nach den für den „Homeboy“ vernichtenden Umfragen zu retten, was noch zu retten ist.

Zwar reist Rubio jetzt im Staat von einer Kundgebung zur nächsten. Und Fernsehzuschauer werden mit düsteren Werbespots gegen Trump überflutet, finanziert von finanzschweren Anhängern des republikanischen Establishments, die den Multimilliardär stoppen wollen. Aber das, was man im Wahlkampf „groundwork“ nennt, die Basisarbeit der Fußsoldaten, die an Türen klopfen und zum Telefon greifen, das sieht man in Rubios Kampagne kaum. Und wenn überhaupt, dann erst seit Kurzem.

Trump hat das anders gemacht. Schon im November hat er in Sarasota sein Hauptquartier für den Florida-Wahlkampf eröffnet, an der State Street, der Staatsstraße. Und dann kam er schon frühzeitig immer wieder mal nach Florida, Heimat von sechs Trump-Wohnhochhäusern, zwei Trump-Golfhotel-Anlagen und seinem Privatclub Mar-a-Lago in Palm Beach mit 58 Schlafzimmern, 33 Badezimmern und drei Bunkern.

Der „kleine Marco“, wie ihn Trump nennt, konzentrierte sich derweil auf den nationalen Wahlkampf, anscheinend überzeugt davon, dass er ihn in Florida wenig nötig habe – trotz Trumps Höhenflug. Erst Anfang Februar kam seine Wahlkampfmaschine in Florida mehr in Schwung – zu spät für das „groundwork“. Ein möglicherweise fataler Strategiefehler. Die Abwesenheit hat bei vielen den Eindruck verstärkt, dass Rubio ein Karrierepolitiker ist, der eigentlich nie richtig hart gearbeitet hat – auch nicht im Senat.

Bereits gewonnen hat Rubio am Sonnabend die Abstimmung in der Bundeshauptstadt Washington. Sein Parteifreund Ted Cruz punktete im Bundesstaat Wyoming. Bei den Demokraten siegte Hillary Clinton auf den Nördlichen Marianen, einem US-Außengebiet.

DPA

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