Kommentar zur SPD-Kandidatenriege

Scholz als Chance

Olaf Scholz polarisiert innerhalb seiner Partei mehr als außerhalb - trotzdem könnte mit ihm als Vorsitzendem die Genesung der SPD klappen, meint Politikredakteur Joerg Helge Wagner.
16.08.2019, 20:50
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Scholz als Chance
Von Joerg Helge Wagner
Scholz als Chance

Kein Strahlemann und doch ein Hoffnungsträger für die SPD: Olaf Scholz, Vizekanzler und Bundesfinanzminister.

Wolfgang Kumm/dpa

Bei dem Gedränge, das mittlerweile um den Parteivorsitz herrscht, kann man die SPD wirklich nicht für tot erklären. So viel Leben war lange nicht mehr in der alten Dame. Kaum hilft Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius seinem zaudernden Chef Stephan Weil aus der Verlegenheit, indem er einfach selbst kandidiert, wirft auch noch Vizekanzler Olaf Scholz seinen Hut in den Ring. Nun kann keiner mehr sagen, dass nur Nobodies, Außenseiter und Leichtgewichte Interesse an dem anspruchsvollen Job hätten.

Doch typisch sozialdemokratisch wird prompt geunkt: Scholz sei ein kalter Technokrat, er stehe für die ungeliebte Groko wie kein anderer, und – oh Gott! – er trete auch noch ohne Partnerin an. Ob das von den Grünen abgekupferte Modell einer Pärchen-Spitze auch für die SPD Erfolg verspricht, sei dahingestellt. Die bisherigen Bewerber-Duos wecken eher Skepsis.

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Bei Scholz weiß man zumindest, dass er weder grüner als die Grünen sein möchte noch linker als die Linke. Er ist ein grundsolider Traditionalist, der bei allem Engagement für soziale Gerechtigkeit immer auch die Kassenlage im Blick hat. Wie Sigmar Gabriel und Gerhard Schröder hat er den Willen zur Macht, verkneift sich aber deren Machismo. Mit ihm könnte die Genesung der SPD klappen, zumindest mittelfristig.

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