Kommentar über digitale Regulierung Schranken für Facebook

Die EU will vermeintlich behutsam digitale Grenzen gegen Fake News ziehen. Doch hinter dem Vorgehen steckt mehr: Es geht um die Abschaffung der Alleinherrschaft des Algorithmus, sagt Detlef Drewes.
26.04.2018, 20:15
Lesedauer: 1 Min
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Schranken für Facebook
Von Detlef Drewes

Fake News – vielen sträuben sich bei diesem Begriff die Haare, weil sie ihn für die Verniedlichung eines Problems halten. Sie haben recht: Ob falsche oder manipulativ verzerrte Nachrichten, ob von Einzelpersonen oder staatlich unterstützten Cyberkriminellen publiziert – ihr Zweck besteht allein in der Zerstörung von Glaubwürdigkeit und Vertrauen.

Da darf die fast schon behutsame Gangart, mit der die EU-Kommission das Problem angehen will, überraschen. Und dennoch: Die EU verlangt de facto von Facebook und Co. nicht weniger als die Abschaffung der digitalen Alleinherrschaft jenes Algorithmus, der Botschaften und Nachrichten lenkt und an die User verteilt. Was nun passiert, ist die Wiedereinführung der menschlichen Instanz als wichtigstem, weil wertendem Kontrollmechanismus. Denn die sich selbst überlassene digitale Technik bedroht, so sie in die falschen Hände gerät, zentrale Errungenschaften: Demokratie und Glaubwürdigkeit.

Traditionelle Medien wie Tageszeitung, Radio und Rundfunk beziehen ihre Glaubwürdigkeit aus einer sortierenden und einordnenden Redaktion im Hintergrund. Bei Portalen wie Facebook gibt es diese Instanz nicht. Ein schwerer Fehler.

Für Facebook und andere muss das kein Rückschritt sein, aber wäre es sehr wohl ein Wendepunkt. Weil diese Konzerne begreifen müssen, dass die Vertrauenswürdigkeit ihrer Inhalte eben auch ein Kapital ist. Bedeutsam scheint allein, dass so etwas wie Wahrheit und Qualitätsjournalismus auch im Internet seinen unbezahlbaren Wert bekommt.

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