Vier brutale Anschläge

Schwarzer Freitag des Terrors

Drei Kontinente sind am Freitag von islamistischen Terroranschlägen erschüttert worden. Bei vier brutalen Attacken in Tunesien, Kuwait, Frankreich und Somalia wurden mehr als 100 Menschen getötet.
26.06.2015, 21:15
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste

Drei Kontinente sind am Freitag von islamistischen Terroranschlägen erschüttert worden. Bei vier brutalen Attacken in Tunesien, Kuwait, Frankreich und Somalia wurden innerhalb kurzer Zeit mehr als 100 Menschen getötet. Es gibt Anzeichen dafür, dass ein Zusammenhang zwischen den Attentaten bestehen könnte.

Allein im Badeort Sousse an der tunesischen Mittelmeerküste, wo zwei mutmaßliche Islamisten ein Urlauberhotel überfielen, gab es mindestens 37 Tote. Der Angriff auf das Hotel „Imperial Marhaba“ in Sousse – 120 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Tunis – geht nach Erkenntnissen des tunesischen Innenministeriums auf das Konto von zwei Terroristen. Der Überfall begann am voll besetzten Strand, wo die beiden Männer wild um sich schossen. Einer der Angreifer wurde von Sicherheitskräften getötet, den zweiten Mann nahmen sie fest. Insgesamt gab es 36 Verletzte.

Nach Angaben des tunesischen Gesundheitsministeriums sind unter den Opfern Deutsche, Briten und Belgier. „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass deutsche Staatsangehörige Opfer des Anschlags geworden sind“, teilte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Abend mit. Der Reisekonzern Tui berichtete von aktuell etwa 260 deutschen Urlaubern in Sousse. Erst im März waren bei einem Überfall von Islamisten auf ein Museum in Tunis mehr als 20 Menschen getötet worden. Seit Mitte März gilt eine erhöhte Terrorwarnstufe in dem nordafrikanischen Land.

Lesen Sie auch

Knapp ein halbes Jahr nach den Mordanschlägen von Paris erschütterte erneut ein islamistisches Attentat Frankreich. Nach einem Überfall auf eine Industriegasefabrik bei Lyon wurde die Leiche eines enthaupteten Mannes entdeckt. Auf dem Körper fanden die Ermittler arabische Schriftzeichen. Der Kopf steckte auf einem Zaun, der die Fabrik in der Gemeinde Saint-Quentin-Fallavier umgibt. In der Nähe waren nach Angaben von Augenzeugen zwei schwarze Islamistenflaggen zu sehen. Es gab auch zwei Verletzte.

Am Tatort wurde der 35-jährige Yassin S. überwältigt, der wegen radikaler Tendenzen schon 2006 aufgefallen war. Nach Medienberichten gab es weitere Festnahmen, darunter auch die Ehefrau des Verdächtigen. Das Opfer war der Chef des Festgenommenen, den er enthauptete, bevor er sich auf den Weg zu der Fabrik machte. Sein Ziel war es möglicherweise, das Werk in die Luft zu jagen. Frankreichs Präsident François Hollande appellierte an seine Landsleute, trotz der neuen Terrorattacke zusammenzustehen.

In Kuwait-Stadt sprengte sich nach Angaben der offiziellen Nachrichtenagentur Kuna ein Selbstmord-Attentäter während des Freitagsgebets in der schiitischen Imam-Sadik-Moschee in die Luft. Es gab mindestens 27 Tote, 227 Gläubige wurden verletzt. Im Internet kursierte eine Mitteilung, in der die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Verantwortung übernahm.

Bei einem Angriff der islamistischen Al-Shabaab-Miliz auf Soldaten der afrikanischen Friedenstruppe in Somalia sind mindestens 45 Menschen ums Leben gekommen. Die Attacke auf den Militärstützpunkt begann nach Angaben des somalischen Militärs mit einem Selbstmordanschlag. Ein Sprecher der Al-Shabaab bekannte sich zu dem Attentat.

Ob die Anschläge in Zusammenhang stehen, war unklar. Überall gab es jedoch Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. Am kommenden Dienstag vor einem Jahr hatten die IS-Dschihadisten zum ersten Mal das Kalifat in den eroberten Gebieten in Syrien und im Irak ausgerufen. Die Gruppe forderte auch dazu auf, während des laufenden Fastenmonats Ramadan Attentate auf „Feinde“ des Islams zu verüben. Der US-Terrorismusexperte Bruce Riedel sprach in der „New York Times“ von einer „Welle von Angriffen über drei Kontinente hinweg“.

Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte zu einem entschlossenen Kampf gegen den internationalen Terrorismus. „Die Meldungen machen uns allen noch einmal klar, vor welchen großen Herausforderungen wir stehen, wenn es um den Kampf gegen Terrorismus und islamistischen Terrorismus geht.“ UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte, die Verantwortlichen für diese „entsetzlichen Taten“ zur Rechenschaft zu ziehen. Auf die Sicherheitsmaßnahmen in Deutschland hatten die Anschläge zunächst keine Auswirkungen. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums sagte: „Im Moment ist es nicht seriös, irgendwelche Schlussfolgerungen zu ziehen.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+