Niedersachsen

Schweinepest greift auf Nutztiere über

Nachdem die ersten Fälle von Afrikanischer Schweinepest bei Hausschweinen in Deutschland aufgetreten sind, ist die Angst bei Schweinehaltern in Niedersachsen groß.
16.07.2021, 18:32
Lesedauer: 3 Min
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Schweinepest greift auf Nutztiere über
Von Peter Mlodoch
Schweinepest greift auf Nutztiere über

Jetzt ist es doch passiert: Die Afrikanische Schweinepest ist in Deutschland erstmals auch bei Hausschweinen nachgewiesen worden.

Archiv/dpa

Die Ereignisse überholten sich. Noch bevor Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast am Freitag ein neues Präventionskonzept gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) in ihrem Land präsentieren konnte, platzte die Nachricht von einem neuen Ausbruch in Brandenburg dazwischen. Damit nicht genug: Erstmals hat die hochansteckende Krankheit Hausschwein-Bestände erreicht. Betroffen sind ein Bio-Betrieb mit 200 Tieren im Spree-Neiße-Kreis sowie ein Kleinsthalter mit zwei Schweinen im Landkreis Märkisch-Oderland. Labore hätten das für Menschen ungefährliche Virus nachgewiesen, teilte das Bundeslandwirtschaftsministerium mit.

Vermutet wird, dass sich die Hausschweine im Freien aufgehalten und sich dort die gefährliche Krankheit eingefangen haben. Die befallenen Tiere sollen alle getötet werden. Um die Betriebe nahe der polnischen Grenze richten die Behörden Sperr- und Kontrollzonen ein. Die Seuche grassiert seit vergangenem September auch in Deutschland, bislang allerdings nur bei Wildschweinen und weitgehend im Osten. Allein in Brandenburg zählten die Behörden fast 1270 Fälle. Das Land sowie seine beiden Nachbarn Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen haben einen einen 670 Kilometer langen Schutzzaun entlang der polnischen Grenze errichtet, um Wildschweine aus Ost-Europa abzuhalten und so ein weiteres Übergreifen der Krankheit zu verhindern. Ein weiterer Zaun befindet sich in Planung.

Vorsorge-Vertrag mit Privatunternehmen

Niedersachsen dagegen blieb von der ASP bisher noch ganz verschont. Damit dies so bleibt, verstärkt das Land seine Vorsorge. Agrarministerin Otte-Kinast unterzeichnete mit dem Privatunternehmen AN Vorsorge GmbH aus Großenkneten (Landkreis Oldenburg) einen Vier-Stufen-Vertrag. Danach hält die Firma ausreichend Personal und Material sicher, um bei einem Ausbruch sofort gewappnet zu sein. Dafür zahlt das Land eine jährliche Pauschale von 435.000 Euro. Sollte ein Infektionsfall eintreten, heißt es „Suchen, Bergen, Zäune aufbauen“: Die Mitarbeiter sollen tote Wildschweine aufspüren, diese in Spezialwannen sicher abtransportieren und die Fundstellen weiträumig absperren.

37 Prozent des deutschen Schweinefleisches aus Niedersachsen

„Wir müssen alles dafür tun, die Seuche im Ausbruchsfall schnell und umfassend zu bewältigen“, betonte die Ressortchefin. „Mit der Vereinbarung können wir den Landkreisen eine wertvolle Unterstützung ermöglichen.“ Die kommunalen Veterinärbehörden können die Hilfsleistungen auf eigene Rechnung bei der AN Vorsorge abrufen. Mit zehn Millionen Schweinen ist Niedersachsen der bundesweit größte Erzeuger. 37 Prozent des Schweinefleisches stammen von hier. Ein ASP-Ausbruch mit der zwangsläufigen Keulung der Bestände hätte gravierende wirtschaftliche Schäden für die hiesige Landwirtschaft zur Folge.

Auch indirekte Übertragung auf Hausschweine möglich

Die ASP kann direkt von Tier zu Tier, aber auch über kontaminierte Gegenstände wie Kleidung, Fahrzeuge, Futter und Jagdwaffen übertragen werden. „Die Eintragsquelle ist ganz häufig auf zwei Beinen unterwegs“, sagte eine Ministeriumssprecherin in Hannover mit Blick auf den menschlichen Faktor. Die Betriebe und ihre Mitarbeiter müssten daher strikt auf die „Bio-Sicherheit“ achten: Ställe schließen, Kleidung und Autoreifen desinfizieren sowie Futter sicher und verschlossen lagern. Die Sprecherin appellierte auch an Touristen und Brummi-Fahrer, keine Essensreste achtlos wegzuwerfen. „Das berüchtigte Wurstbrot auf der Autobahn 2 kann schnell zum Problem werden“. Denn das Virus übertrage sich auch durch infizierte Schweinefleischprodukte.

Schweinepest-Virus gilt als ungefährlich für den Menschen

Für die menschliche Gesundheit gab das Ministerium Entwarnung: „Die ASP ist keine Zoonose, also keine zwischen Schweinen und Menschen Infektionskrankheit.“ Auch auf andere Haustiere könne das Virus nicht überspringen. „Selbst der Verzehr infizierten Schweinefleisches birgt kein gesundheitliches Risiko“, teilte das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) mit. Einen Impfstoff gegen ASP gibt es nicht. Für Schweinehalter bietet das Laves ein Früherkennungsprogramm an.

Schweinehalter befürchten finanzielle Einbußen

Wie Brandenburg befürchtet auch Niedersachsen finanzielle Einbußen der Schweinehalter. „Wir sind in großer Sorge“, meinte die Ministeriumssprecherin. Man müsse befürchten, dass der Ausbruch die Exportchancen für Schweinefleisch erheblich einschränke. Erzeuger warnen bereits vor sinkenden Preisen. Diese hätten sich nach einem Tief zu Jahresbeginn einigermaßen bei 1,50 Euro pro Kilogramm erholt. Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands verlangte daher von den Abnehmern im Inland ein klares Signal für ein „mindestens stabiles Preisniveau“. Brandenburg Agrarministerium forderte von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) eine Unterstützung für die betroffenen Betriebe.

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