Kein Treffen mehr mit Chefredaktion

Seehofer kritisiert Haltung des Presserates zu Polizeikritik in der "taz"

Bundesinnenminister Horst Seehofer hat den Verzicht des Presserats auf Sanktionen wegen einer polizeikritischen Kolumne in der Tageszeitung „taz“ kritisiert. Das sei eine "unerträgliche Verharmlosung".
09.09.2020, 16:47
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Seehofer kritisiert Haltung des Presserates zu Polizeikritik in der "taz"

Bundesinnenminister hat den Verzicht des Presserates auf Sanktionen gegen die Tageszeitung "taz" wegen einer polizeikritischen Kolumne kritisiert.

Christoph Soeder/dpa

Bundesinnenminister Horst Seehofer kann den Verzicht des Presserats auf Sanktionen wegen einer polizeikritischen Kolumne in der Tageszeitung „taz“ nicht nachvollziehen. „Polizistinnen und Polizisten werden in der Kolumne "all cops are berufsunfähig" öffentlich als Müll bezeichnet“, erklärte der CSU-Politiker am Mittwoch in Berlin. „Der Deutsche Presserat hält dies für eine Geschmacksfrage. Für mich ist diese Bewertung eine unerträgliche Verharmlosung.“

Der Beschwerdeausschuss des Presserats hatte am Vortag ausgeführt, die Polizei als Teil der Exekutive müsse es sich gefallen lassen, von der Presse scharf kritisiert zu werden. Der Presserat ist die freiwillige Selbstkontrolle der Presse, also von Zeitungen, Zeitschriften und Online-Medien. Gegen den Text hatte es fast 400 Beschwerden gegeben. Seehofer hatte öffentlich eine Anzeige wegen des Textes erwogen, dann aber verzichtet.

Auch mit der „taz“-Chefredaktion will sich Seehofer nicht mehr treffen. Man habe die Redaktion am Mittwoch darüber informiert, sagte ein Ministeriumssprecher in der Bundespressekonferenz.

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In der Kolumne „All cops are berufsunfähig“ stellte die Autorin ein Gedankenspiel an, wo Polizisten arbeiten könnten, wenn die Polizei abgeschafft würde, der Kapitalismus aber nicht. Zum Schluss hieß es in dem Text: „Spontan fällt mir nur eine geeignete Option ein: die Mülldeponie. Nicht als Müllmenschen mit Schlüsseln zu Häusern, sondern auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten.“

„Wenn eine ganze Berufsgruppe, die tagtäglich den Kopf für uns hinhält, in dieser brachialen Weise bewusst herabgesetzt und verunglimpft wird, geht es nicht mehr um Geschmack, sondern um unser gemeinsames Wertesystem“, sagte Seehofer laut Mitteilung. „Wenn man sagen darf, dass Menschen auf den Müll gehören, ist dieses Wertesystem ganz offenkundig aus den Fugen geraten.“ Solche Haltungen seien für den gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht förderlich, sondern wirkten spaltend. „Die Polizei muss scharfe Kritik aushalten, aber Kritik darf niemandem die Menschenwürde absprechen“, so Seehofer. „Als Bundesinnenminister, als Mensch und als Christ werde ich eine solche Sprache niemals akzeptieren, sondern immer meine Stimme dagegen erheben.“ (dpa)

++ Dieser Artikel wurde um 17.25 Uhr aktualisiert ++

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